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Noren

Gildenleiter

1

05.07.2010, 11:43

Chronik der Phönixkönige

Anmerkung zur Zeitrechnung

Elfen nehmen Zeit anders wahr als Menschen, und sie unterteilen ihre Geschichte nicht in Jahrhunderte, sondern in Regierungsperioden. Die Herrschaftsära jedes Phönixkönigs wird hierbei als eine eigenständige historische Epoche betrachtet. Außerdem zählen die Elfen auch nicht in Monaten, wie es bei den Menschen der Fall ist. Elfische Jahre sind stattdessen in vier Jahreszeiten unterteilt: die Zeit des Frostes, die Zeit des Regens, die Zeit der Sonne und der Zeit des Sturmes. Diese Jahreszeiten entsprechen ungefähr unserem Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Alle schriftlich niedergelegten Datumsangaben der Elfen nennen stets zuerst die Regierungszeit des jeweiligen Phönixkönigs, gefolgt vom Jahr, dann der Jahreszeit und schließlich dem Tag. Somit bezeichnet das Datum V, 114, 3, 90 den neunzigsten Tag der Zeit des Sommers im einhundertvierzehnten Jahr der Herrschaft von Caradryel dem Friedensstifter. Zur besseren Vergleichbarkeit werden im Folgenden für die Herrschaftsperiode jedes Phönixkönigs sowohl ihre Dauer in Jahren als auch die ungefähr entsprechenden Jahreszahlen im Sigmarischen Kalender des Imperiums angegeben.

Bei der Betrachtung der Jahreszahlen gilt es übrigens zu beachten, dass normalerweise eine Übergangsfrist von etwa einem Jahr zwischen dem Tod des vorherigen Phönixkönigs und der Krönung seines Nachfolgers verstreicht. Für gewöhnlich wird dieses Jahr als letztes der Regierungszeit des verstorbenen Königs gerechnet.

Die Elfen beginnen ihre Zeitrechnung traditionell mit dem Tag, an dem Aenarion das Heilige Krönungsfeuer im Asuryantempel durchschritt. Davor lag das Zeitalter der Herrschaft des Einen Throns, als Ulthuan noch von der Immerkönigin Avelorns allein regiert wurde. Über diese Zeit ist jedoch nur noch wenig bekannt, da aus jenen Tagen fast keine Aufzeichnungen erhalten geblieben sind.

I) DER VERTEIDIGER

Aenarion, 1-80 (Imperial Zeit -4500 bis 4420)

Es war eine Zeit der Finsternis, ein Zeitalter des Kampfes, eine Epoche der Schrecken und des Hasses. Die alptraumhaften Geschöpfe des Chaos überschwemmten das Land. Die Alten waren gefallen und hatten ihre verlorenen Kinder im Kampf gegen die Dämonen allein zurückgelassen. Die Polartore, von den Sternreisenden Alten einst benutzt, um von Welt zu Welt zu schreiten, waren zusammengebrochen. Eine Flutwelle unkontrollierter magischer Energien überschwemmte die bekannte Welt. Aus den Toren ergoss sich die Brut des Chaos: Dämonen, Zauberer, die Verlorenen und Verdammten. Sie kamen, um die Welt zu verschlingen.

Auf Ulthuan, der Inselheimat der Elfen, ging das lange goldene Zeitalter des Friedens zu Ende. Aus den aufgewühlten Meeren tauchten die Heerscharen des Chaos auf, um die wehrlosen Elfen abzuschlachten. Sie fielen über die Kinder der Immerkönigin wie Wölfe über neugeborene Lämmer her. Ohne Erfahrung in der Kriegsführung und ungeübt im Kampf vermochten die Elfen nicht, ihnen zu widerstehen. Schwarzgerüstete Krieger verbrannten die Heiligen Haine. Grausige Tiermenschen metzelten ganze Dörfer und Städte nieder. Dämonen heulten und kreischten inmitten der Ruinen altehrwürdiger Siedlungen.

Den Elfen blieb nur die Flucht. Ihre Bögen und Speere, nur für die Jagd und Ehrenduelle gebaut, waren nutzlos gegen die Rüstungen der Chaoskrieger und die ledrige Haut der Dämonen. Die Elfen verbargen sich in Höhne, Wäldern oder im Gebirge. Sie richteten flehende Gebete an ihre Götter, dass man sie nicht entdecke und dass ein Held erscheinen möge, um sie von diesem Bösen zu befreien.

Und so trat aus der blutgetränkten Finsternis dieser schrecklichen Zeit Aenarion ins Licht der Geschichte, der großartigste und tragischste aller Elfenhelden: ein zum Untergang verurteilter Champion, ein gefallener Gott, der mächtigste aller Krieger einer Epoche immerwährenden Krieges; der erste, meistgeliebte und meistverfluchte aller Phönixkönige Ulthuans. Dieser blutbefleckte Titan warf seinen gigantischen Schatten auf ein ganzes Zeitalter.

Über Aenarions früheres Leben ist nur wenig bekannt. Es wird behauptet, er sei ein Abenteurer gewesen, eine jener rastlosen Seelen, die eine kleine Schar Gefolgsleute aus dem ewigen Frieden Avelorns hinausführten, um ihr Glück in fernen Ländern zu suchen. Als das Chaos über die Welt hereinbrach, bekämpfte er es, so gut er vermochte. Aber bald erkannte er, dass die Mitleiderregenden Waffen der Elfen und die friedvollen Zauberkünste der Immerkönigin nicht imstande waren, gegen die überwältigende Macht aus dem Dunkel zu bestehen. Nicht Willens, das Gemetzel an seinem Volk noch länger zu ertragen, pilgerte er durch das vom Krieg zerrissene Land zum Tempel des Asuryan, grimmig entschlossen, dort den Beistand seines Gottes zu beschwören.

Selbst als die Heere des Chaos die Tempelpyramide schon belagerten, stand Aenarion noch vor der ewig lodernden Flamme und flehte Asuryan an, seinem Volk zu helfen. Doch selbst wenn der Gott ihn gehört hatte, so sandte er kein Zeichen. Aenarion verbrannte Opfergaben, aber der Gott antwortete nicht. Er opferte ein weißes Lamm. Keine Hilfe kam. Schließlich, in völliger Verzweifelung, bot sich Aenarion selbst dar und gelobte, sich in das heilige Feuer zu werfen, wenn nur Asuryan sein Volk erretten würde. Als der Gott wiederum nicht antwortete, löste Aenarion sein versprechen ein und stürzte sich in das tosende, Weißglühende Inferno. Todespein durchzuckte seinen Körper. Schmerzen entflammten seine Glieder. Sein Haar fing Feuer. Sein Herz stand still. Alle zeugen seines Opfergangs wähnten ihn tot. Dann geschah ein Wunder.

Aenarion weigerte sich zu sterben. Langsam, von unerträglichen Schmerzen gepeinigt, schleppte er sich durch das Feuer. Und während er Schritt für Schritt vorwärts wankte, heilte seine verbrannte haut, und sein versengtes Haar wuchs wieder neu. Er trat schließlich unversehrt aus den Flammen hervor, von dem reinigenden Feuer verändert. Seine Haut war klar und durchscheinend geworden. Der Geist von Asuryan war in ihn eingetreten. Ein heller, für alle Umstehenden weithin sichtbarer Lichtschein umgab ihn. Sie erkannten, dass Aenarion das Gefäß einer jenseitigen Macht geworden war. Und als er sprach, beeilten sich die Elfen, ihm zu gehorchen.

Aenarion schritt aus den Mauern des Asuryantempel, um die Elfen in den Krieg zu führen. Auf der Eingangsplattform der Pyramide trat er der übermächtigen Chaoshorde furchtlos entgegen. Er nahm seinen Jagdspeer zur Hand und schleuderte ihn mit ungeheurer Wucht auf Morkar, den Anführer der Horde. Die Waffe durchschlug den Körper des Chaosherrschers und danach die Brust seines Standartenträgers, bis er sich schließlich tief in den Nacken eines Minotauren bohrte. Waffenlos schritt Aenarion nun die Stufen der Tempelpyramide herab, auf die vor Schreck erstarrten Feinde zu. Er bückte sich und hob Morkars Schwert vom Boden auf. Wild nach Rache schreiend, drängen da die Gefolgsleute des Chaos auf ihn ein. Sie hätten genauso gut mit bloßen Händen einen Schwertwall attackieren können. Asuryans Kraft strömte machtvoll durch Aenarions Körper. Seine klinge brachte den Tod. Jeder Diener des Chaos, der in seine Reichweite geriet, wurde erbarmungslos niedergestreckt. Sogar ganz allein auf sic selbst gestellt hätte Aenarion an diesem Tag eine ganze Armee vernichten können.

Der Anblick Aenarions, wie er einem vermeintlich unbesiegbaren Feind solch gewaltige Verluste beibrachte, stärkte nun auch die Herzen der im Tempel verbliebenen Elfen. Sie griffen ihre Speere und stürmten an seine Seite.

Dieser Tag wurde Zeuge eines gewaltigen Gemetzels und anschließenden ausgelassenen Siegesfeier. Die Elfen hatten einen überwältigenden Sieg errungen. Die anwesenden schworen Aenarion Ewigwährende Treue und Gehorsam. Vom Asuryantempel brach er dann per Schiff nach Caledor auf, dem einzigen Ort in ganz Ulthuan, wo die Elfen der Macht des Chaos erfolgreich widerstanden hatten. Dort traf er Caledor Drachenbändiger, den obersten Drachenprinzen Caledors, den mächtigsten Hochmagier der alten Zeit.

Caledor erkannte Aenarion als das, was er war, ein sterblich gewordener Gott, und beugte sofort sein Knie vor ihm. Auf den Rücken zweier Drachen flogen die beiden zum Festungstempel von Vauls Amboss. Dort wurde Aenarions heilige Rüstung geschmiedet, zusammen mit ausreichend Schwertern und Harnischen, um eine Armee auszustatten.

Für kurze Zeit flauten die Kämpfe auf Ulthuan ab, und die Elfen erhielten eine Atempause. Aenarion nutzte diese Zeit, um unter seinem Banner eine Armee zu sammeln. Viele überlebenden Elfen der ursprünglichen Invasion scharten sich um seine Standarte. Sie waren die idealen Soldaten für Aenarions heiligen Krieg. Viele von ihnen hatten ihre Familien an die Brut des Chaos verloren. Sie hatten bittere Rechnungen zu begleichen und waren bereit, ihr Leben für diese Rache zu opfern. Unter Führung Aenarions und seines Ratgebers Caledor übten sich die Elfen mit Feuereifer in den ungewohnten Kampfkünsten. Eine gewaltige Kriegerschar sammelte sich, um das Heimatland der Elfen zu beschützen. Und zwar keinen Augenblick zu früh, denn die Armeen des Chaos kehrten mit doppelter Stärke zurück.

Mit der Wucht eines Donnerschlages strömten die Elfen von den Bergen Caledors herab, Ritter auf fliegenden Drachen zerschmetterten die Heere der Tiermenschen. Starke Kräfte schwer bewaffneter und gerüsteter Fußkrieger trieben die Gefolgsleute der vier Chaosmächte vor sich her. In den nachfolgenden Kriegszügen stählte Aenarion sein Heer in der Schlachtenglut wie ein Schmied, der ein Schwert in der Esse härtet. Auf dem Rücken von Indraugnir, dem ältesten aller Drachen, führte er seine Krieger stets persönlich in die Schlacht. Gewaltige Scharen der Feuer speiende Kreaturen stürzten auf die Heere der Finsternis herab und jagten sie aus dem Inneren Ulthuans an die Küste des Inselkontinents.

Noren

Gildenleiter

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05.07.2010, 11:43

Chronik der Phönixkönige - Teil 2

Bei Korumel, dort wo heute Ellyrion liegt, erschlug Aenarion N’kari, den Hüter der Geheimnisse, und verbannte den Dämon damit für viele Jahrhunderte aus der Ebene der Sterblichen. In den Gebirgsausläufern des südlichen Chrace zerschmetterte er die Armee der Khorneanbeter und ihren Anführer Vorghan den Schlächter. Er säuberte die Grenzen des Heiligen Haines auf der Insel der Äpfel von den Schädeltänzern des Slaanesh und ihrer Herrin Aazella Seidenschenkel. Drachenfeuer verbrannte Hugin den Seuchenherrscher und seine verfaulten Legionen des Nurgle zu Asche. Danach schien es für einen Augenblick, als sei der Krieg vorüber.

Ein kurzer Friede senkte sich über Ulthuan, wie das Grabtuch auf einen Leichnam. Es war ein Friede des Todes und der Trauer, in einem des Kampfes müden und ob seiner Verluste teilnahmslos gewordenen Land. Es war eine Periode kurzer Bindungen und zeitweiligen Glücks. Das Warptor des Nordens blieb weiterhin außer Kontrolle und nagte wie ein Krebsgeschwür am Herzen der Welt.

Der Flutpegel der magischen Energieströme stieg unaufhaltsam an. Besonders Ulthuan, an einer natürlichen Verwerfungslinie im Gewebe der Realität gelegen, wurde zunehmend mit magischen Energien gesättigt. Die Annulii Berge entflammten in vielfarbigem Gleißen. Jungfrauen trugen Monster aus. Die Stimme des Chaos donnerte durch die Täler. Irrsinniges Gelächter erfüllte die brennenden Nächte.

Seltsame Ereignisse und Vorzeichen mehrten sich. Grausige Furcht erfasste die Seelen der Orakel und trieb sie in den Wahnsinn. Der Hüter des Asuryanschreins riss sich die Augen heraus, doch das setzte seinen schrecklichen Visionen kein Ende. Auf die Frage nach dem Schicksal der Welt verweigerte er die Antwort.

In dieser Zeit gelangte Aenarion schließlich an den Hof der Immerkönigin. Er war eine eindrucksvolle Gestalt, ein vom Kampf gezeichneter Gigant in goldener Rüstung. Dort lernte er Astarielle kennen, die Immerkönigin, und vermählte sich mit ihr. Es ist nur wenig über ihre Ehezeit bekannt, aber es wird berichtet, dass sie für eine kurze Weile glücklich waren. Ihre erstgeborenen Kinder waren Zwillinge: eine Tochter, die zukünftige Immerkönigin Yvraine, und ein Sohn, Morelion. Dann kehrten die Mächte des Chaos abermals zurück, und die Silberhörner riefen Aenarion erneut in die Schlacht.

Der Krieg bereitet sich über ganz Ulthuan aus. Kein Ort blieb verschont. Anfangs beherrschten noch die Elfen und ihre Drachenverbündeten das Geschehen. Langsam, aber stetig gewannen jedoch die Anhänger des Chaos die Oberhand. Ihre Zahl war schier unerschöpflich. Mehr und mehr Dämonen und andere unheilige Dinge drangen aus den Warptoren heraus. Mehr und mehr Menschen wurden von den riesigen Wolken aus Chaosmagie, die von den Polen Herhabtrieben, zu Geschöpfen der Finsternis pervertiert. Mehr und mehr Monster strömten von der Magie verseuchten Zentralbergen Ulthuans herab. Jeder im Kampf gefallene Elfenkrieger war unersetzlich. Für jeden niedergestreckten Chaosanbeter traten jedoch sofort zwei neue an seine Stelle.

Der Krieg schleppte sich über Jahrzehnte hinweg. Manchmal gelang es den Elfen mit heldenhaften Anstrengungen, sich einen Freiraum zu erkämpfen und ihre Länder zeitweilig vom Feind zu säubern. Einige Male entsandten sie Kriegsexpeditionen in andere Kontinente, um den Zwergen und Menschen beistand zu leisten. Aber es war offensichtlich, dass der Krieg nicht zu gewinnen war. Jeder Sieg zögerte den unvermeidlichen Untergang nur ein wenig hinaus; jede Niederlage beschleunigte den Vorgang unermesslich. Am Ende waren schließlich alle Elfen, sogar Aenarion selbst, des unaufhörlichen Kampfes müde. Die Kräfte des Chaos aber fochten ohne Anzeichen von Schwäche oder Gnade unerbittlich weiter. Sie waren unbarmherzig, irrsinnig und tödlich.

Dann ereigneten sich jene zwei Vorfälle, deren Widerhall noch in all den späteren Jahren der Elfengeschichte nachklingen sollten, und welche die Bühne für die dramatischen Geschehnisse bereitete, die noch folgen sollten.

Nach fast einem Jahrhundert ergebnisloser Forschung gelang es Caledor endlich, den Grund für das Eindringen des Chaos ausfindig zu machen und einen verwegenen Plan zu entwickeln, um den Feind aufzuhalten. Er wusste nun, dass die Warptore der Alten zusammengebrochen waren und Wellen magischer Verwandlungsenergien durch die Überreste ihres alten Netzwerkes der Weltentore schickten. Es waren diese uralten Einrichtungen, die es den Anhängern der Finsternis ermöglichten, sich so rasch und mühelos über die ganze Welt auszubreiten. Außerdem war das sintflutartige Ausströmen ihrer unheilvollen Zauberenergien verantwortlich für das Entstehen der zahllosen Tiermenschen und Monster.

Caledor ersann einen Plan, um diese Energieströme zu sammeln und in das Reich des Chaos zurückzuleiten. Der Plan sah die Erschaffung eines kosmischen Mahlstroms vor, der alle überschüssige Magie aus der Welt ableiten und ihre Bewohner damit vor dem Chaos retten sollte. Es war ein aus der Verzweifelung heraus geborener Plan, mit nur wenig Aussicht auf Gelingen. Aber Caledor und viele Gleichgesinnte glaubten, dass es besser sei, in einem letzten Versuch alles auf eine Karte zu setzen, als weiter das langsame Sterben zu erdulden, das die Elfen nun heimsuchte.

Aenarion stellte sich jedoch dagegen und verwarf die Idee als einen Ratschlag der Verzweifelung. Obwohl er in seinem Herzen wusste, das der Krieg nicht zu gewinnen war, blieb er dennoch fest entschlossen, das Ende solange hinauszuzögern, wie es ihm möglich war. Aenarion und Caledor waren im Lager des Elfenheeres gerade mitten in ihrem letzten großen Streit vertieft, als man Aenarion eine vernichtende Nachricht überbrachte. Eine Armee aus Tiermenschen und Chaoskriegern war in Avalorn eingefallen. Die Immerkönigin war tot, und ihre Kinder konnten nicht gefunden werden. Man nahm an, dass sie entweder tot seien oder, schlimmer noch, als Spielzeug der Dunklen Mächte missbraucht würden. Von tiefem Schmerz überwältigt, zog Aenarion sich in sein Zelt zurück. Als er am nächsten Morgen wieder daraus hervortrat, war er tief greifend verändert.

Niemand vermochte seinen Blick zu begegnen. Seine Seele loderte vor Wut, Bitterkeit und unermesslichem Zorn. Er schwor, jeden Chaosanbeter vom Angesicht der Welt zu tilgen. Seine Zuhörer zweifelten weder an seiner Entschlossenheit noch an dem Wahnsinn seines Vorhabens. Die Mächte der Finsternis waren einfach zu stark, als dass man sie überwinden könnte. Aenarion war jedoch anderer Meinung. Er verkündete, dass er auf die Insel des Unheils reisen würde, und löste damit große Furcht bei seinen Zuhörern aus. Sie wussten, dass dies nur eines bedeuten konnte: Aenarion wollte das Schwert des Khaine ziehen, er wollte den Witwenmacher aufnehmen, die ultimative und tödlichste aller Waffen in den Kampf führen.

Vom Anbeginn der Zeiten hatte das Schwert gewartet, auf der Insel des Unheils in den wuchtigen Fels schwarzen Altars des Khaines eingebettet. Die Waffe war so alt wie die Welt und so tödlich wie Gift, ein Splitter jener schicksalhaften Waffe, die Vaul einst mit eigener Hand für den Todesgott Khaela Mensha Khaine geschmiedet hatte. Ein Bruchstück Kristall gewordenen Todes, das Dämonen ebenso wie Götter zu vernichten mochte. Kein Sterblicher könnte dieses Schwert jemals führen und es überleben, aber Aenarion war inzwischen jenseits von Hoffnung und Verzweifelung. Er lebte nur noch, um zu töten.

Caledor wusste, was geschehen würde, und er versuchte, Aenarion zu warnen. Er beschwor Aenarion eindringlich, dass er auf ewig verflucht sein würde, wenn er diese Waffe ergriffe. Dass eine solche Macht zu gewaltig sei für bloße sterbliche Wesen und dass ihre Kraft nur mit Aenarions unsterblicher Seele erkauft werden könne.

Für einen Augenblick von der Kraft der Prophezeiung ergriffen, sprach Caledor jene Worte, die noch in allen späteren Zeitaltern nachklingen sollten. Er verkündete Aenarion, dass er, falls er nach der verderben bringenden Macht von Khaines Schwert trachte, ein Äonenwährendes Unheil über die Elfen bringen werde. Dass er und all seine Nachkommen bis zur letzten Generation verflucht wären, dass die Götter ihren Blick von ihm abwenden würden und dass Aenarion selbst sterben müsse. Der erste Phönixkönig gab keine Antwort, sondern stieg nur schweigend auf den Rücken von Indraugnir und flog hinaus in die Schreckenerfüllte Nacht.

Über Aenarions Reise zur Insel des Unheils ist nur wenig bekannt. Mit Bestimmtheit kann nur gesagt werden, dass er schließlich dort angelangte und auf seinem Weg alle Warnungen der Sterblichen wie Unsterblichen in den Wind schlug. Noch auf dem Flug wiesen ihm unzählige Vorzeichen sein Verderben. Dämonen versuchten, ihn von seinem Weg abzubringen. Die Elfengötter flüsterten ihm Warnungen ins Ohr. Ein gewaltiger Sturm hob an, als er sich der Insel näherte, so als versuchten die Elemente, ihn von seinem gewählten Pfad zu zwingen.

Indraugnirs Kraft war selbst für einen Drachen gewaltig, doch sogar er war müde, als er Aenarion schließlich an sein Ziel getragen hatte. Aenarion musste die letzten Meilen über die von Gespenstern heimgesuchte Ebene zu Fuß zurücklegen. Es heißt, der Geist seiner verstorbenen Frau, der Immerkönigin, habe ihn dort ein letztes Mal beschworen, umzukehren. Sein Herz stählend, ignorierte Aenarion ihr bittendes Flehen und zerrte die riesige, bluttriefende Klinge des Khaine aus dem Altar. Damit besiegelte er unwiderruflich sein Schicksal und das seines Volkes.

Aenarion kehrte ins Kampfgeschehen zurück und trieb den Feind mühelos vor sich her. Die Macht des Schwertes war so gewaltig, dass nichts gegen seine Zauberkraft bestehen konnte. Es flößte seinen Feinden grausige Furcht und den Elfentruppen unerschütterliches Selbstvertrauen und Kampfeswillen ein. Aenarions Mitstreiter wurden zunehmend gewalttätiger, grausamer und unbarmherziger und verfingen sich in einem Alptraum endlosen Tötens. Mit jedem Sieg wurden sie achtloser ob ihres eigenen Schicksals. Sie kämpften ohne jede Rücksicht auf ihr eigenes Leben, nur noch von dem unstillbaren Verlangen besessen, das Blut ihrer Feinde zu vergießen. Sie wurden gleichgültig gegenüber jeglicher Gefahr, und am schlimmsten von allen war Aenarion.

Alte und unheilvolle, tief in der Elfenseele verborgene Begierden begannen sich zu regen, und eine Finsternis des Geistes senkte sich über die Armeen. Sie kämpften um des Kampfes willen und töteten um des Töten willen. Aenarion eroberte ein Gebiet im Norden Ulthuans zurück und gründete dort sein eigenes Königreich, das lebensfeindliche Nagarythe, ein Ort, der seine eigene düstere Stimmung widerspiegelte. Viele der grausamsten Elfenkrieger zog es ebenfalls dorthin.

Zur allgemeinen Überraschung nahm Aenarion sich eine neue Frau, die geheimnisvolle und wunderschöne Seherin Morathi, die er vor einer Horde Slaaneshanbeter gerettet hatte. Ihnen wurde ein Kind geboren, Malekith, der später zum meistgehassten aller Elfen werden sollte. Aenarions Königshof war ein rauer Ort, voller unechter, verzweifelter Fröhlichkeit und fieberhafter Lustbarkeiten. Seine Höflinge frönten grausamen Spielen, etwa der Jagd auf gefangen genommene Feinde. Unheilvolle und böse Gerüchte über zunehmend finstere Taten machten die Runde.

Noren

Gildenleiter

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05.07.2010, 11:44

Chronik der Phönixkönige - Teil 3

Andere, die spürten wie das Böse in Aenarions Reich wuchs, zogen sich von ihm zurück. Caledor führte seine Drachenreiter heim gen Süden, in sein eigenes Land. Er war entsetzt über die tief greifende Veränderung seines alten Freundes und erkannte, wie die Dunkelheit und das Licht in Aenarions Seele um die Vorherrschaft rangen. Der Phönixkönig bezeichnete den Abzug der Drachenreiter voller Wut als Verrat und schwor ihren Prinzen furchtbare Rache. Bevor er diese jedoch in die Tat umsetzen konnte, trafen neue Truppen des Chaos im Kernland der Elfen ein.

Der Krieg erreichte sein Endstadium, ein ungleiches Kräftemessen zwischen den Elfen und den unzähligen Legionen der vier finsteren Mächte. Von Asuryans Geist gestärkt und von Khaine gezeichnet, war Aenarion ein nahezu unbesiegbarer Krieger, ein Kind der Finsternis und des Lichts. Khaines Schwert schenkte ihm eine gewaltigere Macht, als je ein Sterblicher besessen hatte, und Asuryans Ewiges Feuer verlieh ihm die nötige Kraft und Stärke, diese Macht auch einzusetzen. Im Kampf erschlug Aenarion zahllose Feinde. Sein treuer Drache Indraugnir war für jeden Dämonen ein ebenbürtiger Gegner. Aber es gab nur einen Aenarion, und die Zahl seiner Mitstreiter war begrenzt.

In den langen Jahren des Krieges schwand ihre Zahl langsam, aber unaufhörlich, bis schließlich nur noch die grausamsten, zähesten und unbarmherzigsten Krieger überlebten, um den Kampf gegen das Chaos fortzusetzen. Es wurde für jeden außer Aenarion und seine Gefolgsleute offensichtlich, dass der Krieg verloren und die Welt dem Untergang geweiht war.

Caledor entschied, dass es nur noch einen letzten Ausweg gab. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er dem Befehl seines alten Freundes treu Folge geleistet, der ihm untersagte, den magischen Mahlstrom zu erschaffen. Nun gab es jedoch nichts mehr zu verlieren. Er berief eine Zusammenkunft der mächtigsten Hochelfenmagier ein und traf sich mit ihnen auf der Insel der Toten, um mit dem großen Ritual zu beginnen. Auf irgendeine Weise erhielten die Diener des Chaos Kunde von dem Ritual und beschlossen, es zu stoppen. Alle Kräfte des Chaos wurden aufgeboten und die mächtigsten Magier des Chaosheeres machten sich daran, die Zauberspruchwälle um die Insel zu durchbrechen.

Aenarion blieb keine Wahl. Er sammelte seine Truppen und setzte sie in Marsch, um die Insel der Toten zu verteidigen. Im Herzen Ulthuans prallten die beiden Armeen aufeinander. Ein gewaltiger Schwarm Drachen, so zahlreich, dass ihre Flügel den Himmel verdunkelten, stieß auf die Heerscharen des Chaos herab. Zu Lande und zu Wasser entbrannte ein allumfassender Krieg zwischen den Elfen und den Dienern der Dämonen. Die Todesschreie von Monstern ließen die See aufschäumen. Drachen stürzten zur Erde, von tödlichen Zaubersprüchen getroffen. Als die Erschaffung des magischen Mahlstroms begann, brodelte das Meer, und ein furchtbarer Wind blies vom Norden herab. Der Himmel wurde schwarz, und Blitze spalteten die Wolken.

Inmitten des Schlachtfelds sah sich Aenarion von Angesicht zu Angesicht vier Großen Dämonen gegenüber: einem Herrscher des Wandels, einen Großen Verpester, einem Hüter der Geheimnisse und einem Blutdämonen. Er versperrte ihnen den Weg zur Inselküste. Blut troff von seinem Schwert herab und verdampfte, wenn es den verbrannten Boden berührte. Seine glänzende Rüstung erstrahlte hell im Licht der untergehenden Sonne. Flammen züngelten aus den Nüstern seines stolzen Drachen. Für einige lange Augenblicke starrten die Kontrahenten einander nur an, ihre Blicke brennend vor unvorstellbarem Hass, Schließlich erhoben die Dämonen ihre Stimmen und nannten Aenarion ihren Bruder. Mit einem Aufschrei stürmten die Kampfgegner aufeinander zu.

Aenarion holte mit Khaines Schwert weit aus. Er versetzte dem Hüter der Geheimnisse einen tief klaffenden Schnitt quer über die Stirn. Indraugnir blies eine Glutwolke sengender Flammen auf die schrecklichen Dämonengestalten. Sie kreischten und fluchten, als die lodernde Luft sie umschlang. Der Herrscher des Wandels zauberte einen magischen Blitz. Aenarion wehrte die pulsierende Energie mit seinem Schild ab, doch die Wucht der dämonischen Attacke hob ihn aus dem Sattel. Aenarion richtete sich wieder auf und versetzte dem Dämonen einen mächtigen Schwerthieb, der seinen Kopf spaltete und seinen Arm vom Rumpf abtrennte.

Der Blutdämon warf sich auf Indraugnir und rang ihn mit bloßer Körperkraft langsam zu Boden. Der große Verpester spie zugleich einen Strom der Fäulnis aus. Die verwesende Flüssigkeit überwältigte Aenarion. Sein Kopf schwindelte, und er taumelte, gänzlich unfähig, sich in diesen widerwärtigen Dämpfen aufrecht zu halten.

Die Hochelfenmagier intonierten den Zauberspruch, der den Mahlstrom erschaffen würde. Eine Reihe gewaltiger Blitze zuckte über den Himmel. Die Welt erzitterte. Dann hielt für einen Augenblick alles inne und es herrschte völlige Stille. Danach erzitterte die Erde und furchtbare Energien waberten zwischen Himmel und Erde. Von den Berggipfeln der Annulii entsprangen Blitze reiner Energie und vereinigten sich in einem Punkt direkt über der Insel der Toten. Die Wolken wirbelten im Kreis und strömten ebenfalls am selben Ort zusammen. Sie wurden dort vom Auge des Mahlstroms verschluckt wie Meereswellen von einem Strudel. Die Luft wurde zum Schneiden dick und lud sich mit magischer Kraft auf. Dem Anwesenden fiel das Atmen zunehmend schwerer. Ihre Lungen brannten mit magischer Energie. Der Erdboden brach auf, und die aufsteigende Flut der Zauberkräfte riss gigantische Felsbrocken mit sich in den Himmel empor.

Hoch auf einem solchen schwebenden Inselteil setzte Aenarion seinen Kampf unbeirrt fort. Der Hüter der Geheimnisse ergriff ihn mit seiner riesenhaften Klaue. Sein schrecklicher Griff konnte Aenarions Rüstung zwar nicht durchbohren, aber der Druck war mehr, als ein Sterblicher zu ertragen vermochte. Aenarions Rippen brachen unter der furchtbaren Last wie dürre Zweige im Sturmwind. Schon die Schmerzen allein hätten ein geringeres Wesen getötet. Doch Aenarion hatte Asuryans Feuer durchschritten, und bloße Todespein konnte ihn nichts mehr anhaben. Er wechselte seinen Griff um Khaines Klinge und trieb sie mit aller Kraft tief in die Brust des Dämons. Mit einem grausigen Aufschrei verblasste die Gestalt der Kreatur und verschwand dann vollends.

Das Schwert in Aenarions Hand triefte mit dampfendem Blut, und die dämonische Klinge nahm ein unheimliches Eigenleben an. Sie flüsterte Drohungen und Versprechungen in seinen Geist. Da sie die Seele des Dämonen verschlungen hatte, stärkte sie Aenarion zugleich mit neuer Kraft. Der Phönixkönig wankte auf die turmhohe Gestalt des Großen Verpesters zu. Sie ragte drohend über ihm auf und kicherte mit übernatürlicher Bosheit.

Auf der Insel der Toten starben die Elfenzauberer einer nach dem anderen, die schwächeren unter ihnen zuerst. Die verzehrende Kraft, die sie entfesselt hatten, brannte ihre Gehirne aus und sengte ihnen das Fleisch von den Knochen. Aber dennoch setzten sie ihre Beschwörungsgesänge ohne Unterlass fort. Denn sie wussten, dass jede kleinste Unterbrechung den Zauberspruch außer Kontrolle geraten ließe und alle ihre Mühen zunichte machen würde.

Aenarion zog seine Klinge quer über den Leib der Nurglekreatur, trennte ihren fleischigen Wanst auf und entfesselte damit einen scheinbar unaufhörlichen Strom heraus brechender Fäulnis. Eine Woge von Verwesung, Eiter, Galle und weißen Maden drohte Aenarions Lungen zu ertränken. Die Eingeweide des Wesens umschlangen ihn wie die Tentakel eines dämonischen Kraken.

Langsam wurde Aenarion ins Körperinnere des Dämonen gezogen. Als er seinen Weg wieder Freihacken wollte, schlangen sich neue Tentakel abermals um ihn und zerrten ihn in die fauligen Gedärme hinein. Er rief Indraugnir zur Hilfe. Der alte Drache wandte seinen Kopf und spie einen reinigenden Flammenstoß lodernden Feuers auf den Dämon, der sein Fleisch wie Zunder verbrannte. Von seiner verzauberten Rüstung beschützt, stand Aenarion unverletzt im Herzen des Feuersturms. Der Blutdämon nutzte derweil Indraugnirs kurze Ablenkung aus und versetzte ihm einen tödlichen Hieb. Seine riesigen Krallen durchtrennten die Schuppenhaut des Drachen. Indraugnir brüllte auf und langte mit frischer Wucht nach dem Blutdämon. Er wandte das letzte Quäntchen seiner schwindenden Kraft auf, um den Diener des Blutgottes auf Distanz zu halten.

Kaum noch fähig, sich aufrecht zu halten, taumelte Aenarion auf diesen Zweikampf zu. Der Blutdämon holte aus und versetzte ihm einen schrecklichen Hieb, der Aenarions linken Arm brach, so dass sein Schild nur noch nutzlos an seiner Seite baumelte. Ein zweiter Schlag brach seinen Schädelknochen und ließ ihn beinahe ohnmächtig werden. Der Phönixkönig weigerte sich jedoch standhaft, zu fallen. Er sammelte seine ganze ihm noch verbliebene Kraft und schwang Khaines Schwert im weiten Bogen zu einem gewaltigen Todesstreich herum. Der Hieb hätte einen Berg zu spalten vermocht und teilte den Dämon in zwei Hälften.

Auf der Insel der Toten vollendeten die letzten überlebenden Zauberer endlich ihre Beschwörung. Für einen Augenblick war alles still. Der tödlich verwundete Aenarion klomm mühsam in den Sattel seines sterbenden Drachen, und sie erhoben sich zu ihrem letzten Flug.

Von den tobenden Winden umhergewirbelt, trug Indraugnir den sterbenden Phönixkönig hoch über das Schlachtfeld empor. Beim Blick nach unten sah er den furcht erregenden Schlussakt dieses Tages. Mit einem entsetzlich grellen Blitz, der die Betrachter beinahe erblinden ließ, verschwand die Insel und gleichzeitig der ringsum entfesselte Sturm magischer Energien.

Das Beschwörungsritual war teilweise erfolgreich gewesen. Der Mahlstrom war erschaffen und die Fluten der Magie flauten ab. Den Dämonen fehlten die nötigen Energien und sie starben dahin wie Fische ohne Wasser. Der Preis für diese Errungenschaft war jedoch furchtbar. Die Hochelfenmagier hatten den Mahlstrom zwar erfolgreich geöffnet, waren aber nun selbst darin eingeschlossen und bis in alle Ewigkeit in den letzten Augenblicken ihres Kampfes gefangen und dazu verdammt, den magischen Wirbelstrom offen zu halten.

Indraugnir trug den sterbenden Aenarion schließlich zur Insel des Unheils hinaus. Das Abflauen der magischen Flut hatte auch Aenarions Macht geschwächt. Der Einfluss Asuryans war nur nicht mehr so stark in seinem Geist, und Khaines Schwert verlieh ihm nicht länger nahezu unbegrenzte Kraft. Die großen Tage der Hohen Weißen Magie waren vorüber. Aber während seine Macht schwand, lüftete sich auch der Schleier des Wahnsinns vor Aenarions Geist. Der erste Phönixkönig fand erstmal wieder Gelegenheit, über die Versuchungen der Dämonen nachzusinnen. Sein Gewissen lag im Streit mit den geflüsterten Verheißungen des lebendigen Schwertes. Er wusste, dass, wer auch immer es besäße, die neue Welt beherrschen könnte.

Indraugnirs Kraft versagte im selben Augenblick, als sie die Insel des Unheils erreichten. Nachdem sie auf der Ebene der Knochen zu Boden geglitten waren, richtete der alte Dache sich ein letztes Mal auf, stieß zum Abschied einen Schrei des Trotzes aus und sank dann tot zu Boden. Mit letzter Kraft kroch Aenarion zum Altar und stieß das Schwert wieder in seinen angestimmten Ruheplatz zurück. Er trieb es so tief in den Fels hinein, dass niemand es je wieder hervorziehen konnte. Dann, so wird beichtet, legte sich Aenarion neben seinem treuen Reittier nieder und schied aus dem Leben und diesem Zeitalter der Welt.

II) Der Forscher

Bel Shanaar, 1 – 1669 ( Imperiale Zeit -4419 bis -2750 )

Nach dem Verschwinden Aenarions lagen die Reiche Ulthuans in großer Unordnung danieder. Die Immerkönigin war tot, der Phönixkönig verschollen, und der Drachenprinz Caledor gemeinsam mit den größten und weisesten Hochmagiern bis in alle Ewigkeit auf der Insel der Toten gefangen. Aufgrund des Verlustes ihrer eigenen Anführer befanden sich die Chaosarmeen auf dem Rückzug, und die Elfen konnten sie rasch zur Strecke bringen. Das goldenen Zeitalter war jedoch für immer verloren. Die Heimsuchung durch die Mächte des Chaos hatte die Elfen viele bittere Lektionen gelehrt. Sie schworen, dass sie sich niemals wieder von einem Feind überrumpeln lassen würden.

Das land war verwüstet, aber es gab nun viele starke Reiche in Ulthuan. Städte schossen um die alten Festungen und Fluchtburgen herum aus dem Boden. Die meisten der großen, altehrwürdigen Elfenstädte stammen aus dieser Zeit, was ein Grund für ihre meist abgelegenen Standorte ist. Die Prinzenherrscher Ulthuans gelangten bald zu der Erkenntnis, dass sie jemanden brauchten, um den sie sich scharen, und der sie anführen konnte, falls der Krieg zurückkehren sollte. Der Erste Prinzenrat in der Geschichte Ulthuans wurde einberufen, auf den tag genau ein Jahr nach dem Verschwinden Aenarions.

Noren

Gildenleiter

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05.07.2010, 11:46

Chronik der Phönixkönige - Teil 4

Dort wurde enthüllt, dass Aenarions erstgeborene Kinder allen Befürchtungen zum Trotz noch am Leben waren. Das bevorstehende Unheil ahnend, hatte ihre Mutter sie in ein Versteck im Gaen Tal bringen lassen. Auf dem Weg dorthin verirrte sich der Begleittross jedoch, und sie wurden von dem Baummenschen Eichenherz und seinem Volk gerade noch vor einem Chaosüberfall gerettet. Der Baummensch hatte die Kinder seither in den Tiefen des Urwaldes verborgen und sicher behütet, während ringsum der Krieg getobt hatte. Yvraine war nun alt genug und bereit, zur neuen Immerkönigin gekrönt zu werden. In ihr würde der Geist ihrer Mutter Astarille weiterleben.

Der offensichtliche Kandidat für die Wahl zum nächsten Phönixkönig war natürlich Malekith, Aenarions Sohn mit Morathi. Er war zu einem mächtigen Krieger, einem herausragenden Magier und ausgezeichnetem General herangewachsen. Er war ein geübter und überzeugender Redner mit einem natürlichen Talent zur Diplomatie und zeigte hohe Führungsqualitäten. Aber es gab da jene, die sich der grausamen Tage an Aenarions Königshof in Hagarythe erinnerten. Sie bezweifelten, dass ein Kind, welches dort aufgewachsen war, seelisch vollständig gesund sein konnte.

Zudem gab es jene, die sich Caledors Weissagung über den auf Aenarions Erblinie lasteten Fluch entsannen und die es für klug hielten, auch andere daran zu erinnern. Wiederum andere wünschten, dass eine Heirat zwischen den zwei Thronen die Erneuerung der Elfenkönige symbolisieren und damit zugleich die Einheit zwischen den alten Herrschern und den neuen unterstreichen sollte. Sie wiesen darauf hin, dass Malekith als Yvraines Stiefbruder kaum für diese olle geeignet wäre.

Wie stets mit wohl gefeilten Worten erklärte Malekith, dass er die Krone nicht für sich selbst, sondern nur zu Ehren das Andenken an seinen Vater anstrebe. Wenn die Prinzen ihn nicht auffordern würden, dem Elfenreich in diesem Amt zu dienen, wäre dies ohne Belang für ihn. Er würde bereitwillig jedem Treue und Gehorsam schwören, gleich, wer auch immer ausgewählt werden mochte. Die Prinzen Ulthuans meinten, dies sei wohl gesprochen und nahmen ihn beim Wort. Aus ihren eigenen Reihen wählten sie Bel Shanaar, Prinz von Tiranoc, einen Elfen, der sich im Krieg ausgezeichnet hatte und dennoch als Stimme des Friedens und der Vernunft galt. Morathi protestierte schrill und lautstark dagegen, dass ihr Sohn nicht gewählt wurde. Malekith aber beruhigte sie und stimmte zu, dass die Wahl der Prinzen weise ausgefallen sei. Er war später der erste, der das Knie vor dem neuen Phönixkönig zum Treueid beugte.

Die Sterndeuter und Geomanten der Elfen studierten die Vorzeichen, um den besten Zeitpunkt zu bestimmen, an dem der König durch das Heilige Feuer schreiten und seine Herrschaft antreten sollte. Am tag seiner Krönung intonierten die Priester des Asuryans die Schutzzauber, die es Bel Shanaar ermöglichten, unbeschadet durch die Flammen zu schreiten. Die Phönixgarde, Überlebende jener Krieger, die Aenarions Aufstieg in den Himmel über der Insel der Toten miterlebt hatten, warteten jenseits des Feuers, um das neu angefertigte Federgewand der Königswürde um seine Schultern zu legen. Und abermals war es Malekith, der nach dieser Zeremonie seine Stimme als erster zum Jubel anhob.

So begannen die großen Tage der Forschungsfahrten und des Aufbaus. In den ersten Jahrhunderten von Bel Shanaars langer Regierungszeit waren die Elfen damit beschäftigt, ihr verwüstetes Land wieder aufzubauen, die Spuren des Krieges zu tilgen und die sie umgebende Welt neu zu erforschen. Elfenschiffe eilten über alle Meere und Kartographisierten die Küsten der Kontinente. Die Forschungsexpeditionen zu den unbekannten Ländern wurden von Bel Shanaar persönlich befohlen und unterstützt, was ihm auch seinen Beinamen verlieh. Schließlich wurden sogar blühende Kolonien in Lustria, der Neuen und der Alten Welt gegründet. Man nahm Kontakt mit den Zwergen auf, und zwischen den Völkern begann eine große Zeit des Handels und der Freundschaft.

Das Volk erholte sich langsam von dem Grauen des langen Krieges gegen das Chaos und für eine Weile wuchs die Bevölkerung an. Bel Shanaar, ein Seefahrer von herausragendem Geschick, besuchte alle neuen Kolonien persönlich. Er wagte sich sogar bis nach Karaz-a-Karak im Weltrandgebirge, um dort den Heiligen Eid der Freundschaft mit den Zwergenkönigen zu besiegeln. Er ernannte bei dieser Gelegenheit Malekith zu seinem persönlichen Botschafter am Zwergenhof, und so wurde unbeabsichtigt die Saat des Unheils ausgestreut.

Zu jener Zeit bereiteten sich die Elfen aus, und ihre Zahl wuchs. Wohlstand und Reichtum kehrten abermals in Ulthuan ein, und gewaltig waren seine Schätze. Die Städte erstrahlten in neuer Pracht und schmückten sich mit Kostbarkeiten und edlen Waren aus der ganzen bekannten Welt. Und obwohl das Volk es nicht bemerkte, kehrte zugleich langsam, auf leisen und heimtückischen Sohlen, auch das Chaos zurück! Es erschien in einer Verkleidung, gegen die es keine Verteidigung gab. Keine Armee konnte es von den Grenzen verjagen, keine Waffe konnte dagegen geführt werden, denn die Chaosmächte traten in Gestalt des Slaaneshkultes auf. Im gleichen Maße, wie der Neuerworbene Reichtum anwuchs, wurden die Elfen zunehmend träge und satt und frönten einem Leben in Luxus und Völlerei. Anfangs war die kultische Vergötterung der Sinnesfreuden noch respektabel, und niemand brachte sie mit dem Kult des Chaos in Verbindung.

Inzwischen hatte Malekith seine zahlreichen Reisen quer durch die ganze Welt begonnen und dabei beträchtlich an Ansehen gewonnen. In den Kolonien führte er viele Heere erfolgreich gegen die Orks und die Überreste des Chaos. Er wagte sich sogar auf die Insel des Unheils, um dort die Rüstung seines Vaters zu suchen. Es wird berichtet, dass er wie erstarrt vor dem Altar des Khaine gestanden und sogar seine Hand an den Griff der großen Waffe gelegt habe. Ihm erschien sie als Zepter, nicht als Schwert, und vielleicht sah er darin ein Zeichen. Von seinem Vater und Indraugnir fand er jedoch keinerlei Spur. Seine Forschungsreise führte ihn ständig weiter, bis hinauf in die kalten Kolonien im Norden der Neuen Welt. Dort, in den Ruinen einer vormenschlichen Stadt, fand er den eisernen Reif, einen Talisman von Ehrfurcht gebietender Zauberkraft.

Bei seiner Rückkehr nach Ulthuan fand Malekith die Insel schließlich im Würgegriff wechselseitigen Misstrauens vor. Der Kult der Sinnesfreuden war in Nagarythe, seinem Heimatland und der einstigen Heimstatt des Königshofes seines Vaters, am stärksten. Seine Mutter, die Herrin Morathi, war schon seit langem eine Anhängerin des Kultes. Tatsächlich behauptet die Legende sogar, dass sie eines der Gründungsmitglieder und seine Hohepriesterin war. Der Phönixkönig machte sich zunehmend Sorgen um den Kult der Dekadenz. Die Ausschweifungen seiner Anhänger gipfelten schon in Blutopfern lebender Wesen, und seine dem Chaos zugewandte Natur wurde stetig deutlicher. Immer öfter brachte man den finsteren Namen von Slaanesh mit dem Kult in Verbindung.

Malekith schien entsetzt über das, was er in Nagarythe vorfand. Er enttarnte den gesamten Zirkel der Slaaneshanbeter, einschließlich seiner Mutter, und händigte sie dem Phönixkönig aus. Diese tat brachte in den Augen des Volkes von Nagarythe das Fass zum Überlaufen. Sie glaubten schon lange, das am geringsten geachtete Volk Ulthuans zu sein. Hatten sie doch die Hauptlast des Krieges gegen das Chaos tragen müssen und wurden dennoch von ihren Brüdern geschmäht. Schließlich hatten sich die Prinzen von Ulthuan offenkundig geweigert, Nagarythe Herrscher zum Phönixkönig zu wählen, obwohl er unbestreitbar der rechtmäßige Erbe von Aenarion war. Und nun wurde auch noch ihr geheiligter Kult der Sinnesfreuden von den Lakaien des weit entfernten Phönixkönigs verfolgt. Das Gebiet von Nagarythe wurde zunehmend rebellischer und verweigerte die Zusammenarbeit mit dem Phönixthron. Es wurde sogar ein Zufluchtsort für die verfolgten Anhänger des Slaaneshkultes. Man sprach daher in anderen Reichen schon davon, den Erlass des Phönixkönigs gegen den Kult mit Militärgewalt durchzusetzen. Ulthuan schwebte am Rande eines Bürgerkrieges.

Wieder einmal war Malekith zur Stelle. Seine Treue zum König und sein Hass gegen den Kult schienen unbestreitbar. Er übernahm persönlich die Führung des Krieges gegen den Chaoskult. Abermals senkte sich ein Leichentuch der Furcht über Ulthuan. Niemand wusste, ob sein Nachbar nicht vielleicht ein Mitglied der verbotenen Sekte war. Die beauftragten des Königs konnten ohne Vorwarnung jederzeit und überall erscheinen und sogar die am meisten geachteten Bürger verschleppen. Es schien, als seien die Diener des Slaanesh allgegenwärtig. Malekith selbst ließ sogar die Bemerkung fallen, dass niemand sagen könne, wie hoch die Verderbnis bereits vorgedrungen sein mochte. Inzwischen wurden Ausmaß und Form der Anbetungsrituale des Kultes der Sinnesfreuden in Nagarythe immer lasterhafter, irrsinniger und verabscheuungswürdiger. Es blieb dem Phönixkönig daher kaum eine andere Wahl, als schließlich einem seiner eigenen Reiche den Krieg zu erklären.

Er scharte seine Generäle um sich und berief einen Kriegsrat beim Heiligtum des Asuryan ein. Am Vorabend der Ratsversammlung wurde der schlimmste aller Schrecken enthüllt. Malekith behauptete, der Phönixkönig selbe sei ein geheimer Anbeter des Slaanesh. Um sich nicht der entwürdigenden Schande eines Verhörs unterziehen zu müssen, schluckte der Phönixkönig Gift. Malekith dagegen unternahm rasche Schritte, um die Ordnung wiederherzustellen.

Aber er war zu weit gegangen. Niemand wollte ernsthaft glauben, dass der König ein Mitglied des Chaoskultes gewesen sei, auf keinen Fall die versammelten Prinzen, den sie kannten Bel Shanaar zu lange und zu gut. Schließlich fiel der Schatten des Verdachtes dann endlich auf Malekith zurück, aber es war bereits zu spät – Malekith und seine Gefolgsleute hatten die Pyramide des Asuryan in ihrer Gewalt und Malekith besaß die Kone, die er dem toten Phönixkönig gestohlen hatte. Die Wahrheit über ihn gelangte nun ans Tageslicht.

Malekith war dem Wahnsinn verfallen. Er begehrte den Thron und das schon seit langer Zeit. Er war bereit gewesen, für seinen Ehrgeiz jedermann und Alles zu opfern. Jetzt war sein Ziel in Reichweite. Die Prinzen und ihre Leibwächter waren in seiner Hand. Er hatte ein geheimes Abkommen mit seinem Volk in Nagarythe getroffen. Eine Armee der Slaaneshanbeter hielt sich bereit, den führerlosen Elfen Malekith Willen aufzuzwingen.

Im Glauben, alles, was nun noch zu tun bliebe, wäre, sich selbst zum König zu krönen und die Prinzen zu töten, schritt Malekith in das Heilige Feuer und war fest überzeugt, dass er diese Prüfung genau wie sein Vater vor ihm überstehen konnte. Er täuschte sich. Asuryans Flamme duldete nicht, dass sein vom Chaos befleckter Körper die Feuerwand durchquerte. Seine Schreie waren so grauenvoll, dass kein Zuhörer sie jemals vergessen konnte.

Noren

Gildenleiter

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05.07.2010, 11:46

Chronik der Phönixkönige - Teil 5

Malekith war in den Flammen gefangen, sein Leib entsetzlich gezeichnet und verbrannt. Unfähig das Feuer zu durchqueren, warf er sich auf die Plattform zurück.

Malekiths Körper war versengt und geschwärzt. Er, der einst so stattlich und schön gewesen war, war nun abstoßend und hässlich. Er, der einst eine gefällige Stimme besessen hatte, gab nun nur noch ein schreckliches Röcheln von sich. Das mühevoll aus verwüsteten Lungen und einer zerstörten Kehle drang. Im glauben, ihr Anführer sei dem Tode nahe und Asuryans Rache wurde gleich über sie hereinbrechen, nahmen seine entmutigten Anhänger den Körper ihres Herrn auf und flohen aus dem Pyramidentempel, hinter sich die Leichname der besten und edelsten Elfenprinzen zurücklassend.

Eine Zeit des Elends und des Bruderkrieges stand kurz vor ihrem Beginn.

III) Der Eroberer

Caledor 1 – 550 ( Imperial Zeit -2749 bis -2199 )

Wieder wurden die Elfenreiche in tiefes Chaos gestürzt, Malekith und seine Anhänger flohen, in den Norden nach Nagarythe. Ihrer Führer beraubt, setzten die Hochelfen nicht zu ihrer Verfolgung an. Hektische Beratungen zwischen den wenigen überlebenden Prinzen Ulthuans, dem Oberpriester des Asuryanheiligtums und dem Hauptmann der Phönixgarde sollten einen neuen Herrscher bestimmen. Schließlich waren alle einig, dass der dritte Phönixkönig Imrik sein sollte, der sogleich nach seiner Wahl den Namen Caledor der Erste annahm. Er war der Enkel des berühmten Magiers gleichen Namens und der Bruder des ermordeten Herrschers von Caledor.

Obgleich es ihm am Talent seines Großvaters zur Zauberei mangelte, war Caledor ein herausragender Krieger und Feldherr. Zum Zeitpunkt der Meuchelmorde im Asuryantempel befand er sich gerade gemeinsam mit seinen alten Freund Koradel von Chrace, auf der Jagd in den characeanischen Bergen. Caledor war berüchtigt für seine kurz angebundene und schroffe Art. Als der Bote mit der Nachricht seiner Berufung auf den Phönixthron im Jagdlager eintraf, reagierte er nur mit einem knappen „Warum?“. Und als man ihm von den Morden berichtete, lautete sein Kommentar: „Schlimm, sehr schlimm.“, was für ihn bereits als langatmig galt. Als der Bote ihn fragte, was nun geschehen würde, antwortete er schlicht: „Krieg.“

Und Krieg war tatsächlich die Folge. Kurz nach diesem wortkargen Gespräch fand eines der berühmtesten Ereignisse der Elfengeschichte statt. Malekith hatte Assassinen ausgeschickt, um den neuen Phönixkönig zu töten. Sie trafen bald nach dem Boten ein und fielen völlig überraschend über Caledor her, der gerade auf dem Weg nach Avelorn war. Sie waren Dutzende an der Zahl und hätten den zukünftigen König sicherlich überwältigt, wenn nicht eine Gruppe chraceanischer Jäger die Ereignisse beobachtet und gerade noch rechtzeitig eingegriffen hätte. Die kampfgewaltigen Elfen aus den Bergen sprangen zwischen die Mörder aus Naggaroth, mähten sie mit ihren riesigen Äxten nieder und retteten Caledor das Leben.

Als man ihm danach riet, er solle auf seine Leibwache warten, gab Caledor zur Antwort, dass er sich keine besseren Leibwächter als diese Jäger erhoffen konnte. Er bat sie, ihn auf seiner Reise zur Asuryanpyramide zu begleiten und die Jäger willigten ein. Auf diese Weise wurden die berühmten Weißen Löwen von Chrace gegründet. Ihr Name leitet sich von den Fellen der Weißen Löwen ab, die sie trugen.

Rasch nahm Caledor das nächste Schiff zum Asuryanheiligtum. Nach den vollständig und richtig vollzogenen Ritualen und Zeremonien durchschritt er das heilige Feuer und wurde vom Gott Asuryan als reinen Herzens angenommen. Es blieb ihm jedoch keine Zeit für die traditionelle Heirat mit der Immerkönigin, da Nagarythes Legionen bereits aus ihrem finsteren Reich ausgeschwärmt waren und Malekiths Banner vor sich her trugen. Caledor hob unter seiner eigenen Standarte ebenfalls eine Armee aus und forderte alle rechtschaffenen Elfen auf, sich zur Verteidigung des Reiches um ihn zu scharen.

Ein erbitterter Bürgerkrieg tobte durch Ulthuan. Es war eine Zeit großer Wirren und widersprüchlicher Gerüchte. Bruder focht gegen Bruder. In den entlegenen Reichen und weit entfernten Kolonien wusste niemand genau, wer eigentlich der wahre König war. Einige sprachen sich für Caledor aus, andere für Malekith. Die Anhänger des Slaaneshkultes verbreiteten zusätzlich Verwirrung.

Was ihre Stärke anbelangte, waren sich beide Seiten ebenbürtig. Die Elfen aus Nagarythe waren zahlreich und wohl bewandert in den Zauberkünsten. Waren sie doch die Nachkommen jener finsteren Elfen, die einst Aenarion gefolgt waren, nachdem er das Schwert des Khaine gezogen hatte. Es gab keine kampfwütigeren Krieger unter den Elfen. Zudem hausten in den immer noch magiereichen Bergen von Nagarythe zahllose Monster. Die Nagaryther fingen diese Wesen ein und machten sie sich dienstbar. Ihr bergreiches Heimatland mit seinen Festungstälern war eine schier unbezwingbare Operationsbasis, von wo aus sie ihre Gegner verwirrt und zersplittert waren. Allerdings konnte sich der neue Phönixkönig auf die mächtigen Drachenreiter von Caledor sowie die Legionen der Phönixgarde stützen.

Viele Gemeinschaften der Elfen in Tiranoc und Ellyrion fielen mit Hilfe von Verrätern in den eigenen Reihen an Malekiths Gefolgsleute. In Saphery, bereits damals ein für seine Magier weithin berühmtes Reich, kämpfte Zauberprinz gegen Zauberprinz, denn viele in diesem Land hatten ihre magischen Forschungen zu weit getrieben und die Finsternis in ihre Seelen eindringen lassen. Als die Gefolgsleute, des Phönixkönigs langsam die Oberhand gewannen, flohen diese Magier schließlich nach Nagarythe und stellten ihre Macht in Malekiths Dienste.

Malekith selbst kam wieder zu Kräften und rief seine Rüstungsschmiede zu sich. Mit Hilfe der sapherischen Zauberer ließ er von Hotek, einem abtrünnigen Priester Vauls, unter seiner persönlichen Anleitung eine Ehrfurchtgebietende schwarze Vollrüstung anfertigen, die seinen eingefallenen und vom Feuer verheerten Körper stützen und ihm neue Stärke verleihen würde. Um die Stirn seines riesigen gehörnten Helmes wurde der Eiserne Reif geschmiedet. Am Tag seiner Vollendung befahl er seinen Rüstungsschmieden, ihm den Vollpanzer direkt auf seinen Körper zu schweißen. Nachdem er die Feuergluten das Asuryan erlitten hatte, vermochte ihm die infernalische Hitze ihrer Schmiedefeuer keine Pein mehr zu bereiten.

Nach diesem Tag wurde jedermann, der Malekith anblickte, von Grauen erfasst, denn er war zu einer Furcht einflößenden Schreckensgestalt geworden. Seine Rüstung war mit abstoßenden und unheilvollen Runen bedeckt, die ihre Macht unmittelbar aus dem Reich des Chaos bezogen. Die Augen eines jeden schmerzten, der sie erblickte. Sein Schild zeigte die Rune des Slaanesh, den er als seinen Schutzpatron beanspruchte. Sein Schwert trug die Rune des Khaine, als Anspielung auf die Klinge, die sein Vater Aenarion geführt hatte. Auf dem Rücken eines finsteren Reittieres, einem von den Mächten des Chaos verdorbenen Drachen, war er nun bereit, seine Heerscharen in den Krieg zu führen. Von diesem Augenblick an wurde Malekith stets nur noch der Hexenkönig genannt.

Er war finster und grimmig, und groß war die Zahl seiner Siege, und dennoch waren sie vergeblich. Langsam, aber unaufhaltsam gelangte die Wahrheit über das, was geschehen war ans Tageslicht, und langsam, aber immer zahlreicher, stellten sich die Elfen an die Seite Caledors. Ein ums andere Mal bewies der neue Phönixkönig sein hohes Geschick als General und Feldherr. Er stellte den Truppen des Hexenkönigs findige Fallen und lockte sie in fein gesponnene Hinterhalte. Er schlug sie vernichtend in offenen Feldschlachten. Dabei schützten ihn die stets wachsamen Weißen Löwen vor unzähligen Mordanschlägen, und sein persönliches Gefolge aus sapherischen Magiern wehrte alle gegen ihn gerichteten Todeszauber ab.

Am Ende traf Caledor auf dem Schlachtfeld von Maledor. Direkt vor dem Zugang zu den Pässen nach Nagarythe, schließlich mit dem Hexenkönig zusammen. Caledor focht gegen die bislang größte Armee der Nagaryther, besiegte sie und trieb sie in die Marschen von Maledor. Malekiths Reitdrache erlitt eine tödliche Wunde, als er und Caledor auf dem Schlachtfeld im Zweikampf aufeinander geprallt waren, und so musste er in einem schwarzen, von Echsen gezogenen Streitwagen fliehen.

Nach diesen Ereignissen wurde das Volk von Nagarythe immer verzweifelter und setzte zu seiner Verteidigung mehr und mehr auf die finsteren Zauberkünste der Schwarzen Magie. Sie beschworen Dämonen herauf und verbündeten sich mit dem Chaos, so dass ihre finsteren Taten schließlich aller Welt offenbart wurden. Von nun an nannte man sie Dunkelelfen. Aber auch all ihre schwarzen Künste vermochten sie nicht zu retten, da sich nun die ganze Kraft des vereinten Ulthuans gegen sie stellte.

Der Hexenkönig entschloss sich zu einem verzweifelten Wagnis. Er versammelte die abtrünnigen Magier und enthüllte ihnen seinen Plan, der ebenso wahnsinnig wie kühn war. Sie sollten die Zaubersprüche auflösen, die den Mahlstrom über Ulthuan zusammenhielten, und somit das Chaos in die Welt zurückholen. Die Legionen der Dämonen würden dann ein weiteres Mal aufmarschieren, um ihren neuen Verbündeten beizustehen. Der Hexenkönig und seine Gefährten würden sich die Macht des Chaos zunutze machen, und sie würden Göttern gleich werden. Viele der Dunkelelfen waren bereits so weit dem Wahnsinn verfallen, dass sie bereitwillig zustimmten. Einer jedoch, Urathion von Ullar, erkannte dieses Vorhaben als den zerstörerischen Irrsinn, der er war. In der Mitte der Nacht schlich er aus dem Palast des Hexenkönigs fort und brachte dem Phönixkönig die Nachricht von Malekiths Absicht. Kurz darauf wurde er von dem vergifteten Armbrustbolzen eines Assassinen der Dunkelelfen getötet.

So begann ein tödliches Ringen. Der Hexenkönig und seine Ratgeber begannen mit einem furchtbaren Ritual, das den Mahlstrom auflösen würde. Die Hochmagier versuchten, sie aufzuhalten. Die Zauberkraft des Hexenkönigs war jedoch so mächtig, dass er unaufhaltsam die Oberhand gewann. Die Berge erzitterten, und die Ede erbebte. Abermals entsprang den Annulii ein unheimliches Gleißen. Wolken magischer Energie ergossen von den Zaubersprühenden Gipfeln und erleuchteten den Himmel über Ulthuan. Im fernen Norden der Welt regte sich das Reich des Chaos und bereitete sich darauf vor, erneut in die Länder der Sterblichen vorzudringen. Im Lager des Phönixkönigs betete Caledor zu allen Göttern und seinem Großvater. Er flehte sie an, ihm zu Hilfe zu eilen.

Als die Abenddämmerung in vielfarbigen Lichtern erglühte, setzten der Hexenkönig und seine Gefolgsleute zu ihrem letzten Schlag an. Die Dämonen des Chaos kamen ihnen zu Hilfe, und die letzten Zauberwälle der Verteidiger brachen zusammen. Das triumphierende Gelächter der Dunklen Götter hallte über den Himmel. Dann aber, als die schwarze Magie des Hexenkönigs die Insel der Toten und damit das Herz des Mahlstroms erreichte, betraten neue Spieler das Geschehen. Riesige, in Licht gekleidete Gestalten sandten die anstürmenden Energiefluten nach Nagarythe zurück. Die auf der Insel der Toten gefangenen Hochmagier ließen es nicht zu, dass ihr Lebenswerk zerstört wurde.

Die gewaltigen Kräfte der reflektierten Energien schlugen in Nagarythe ein. Viele Zauberer aus dem Zirkel des Hexenkönigs stürzten augenblicklich tot zu Boden. Die Erde bäumte sich wie ein erschrecktes Pferd auf und ein Sturm entfesselter Magie jagte über das Land. Nichts vermochte der entsetzlichen Gewalt der entfesselten Kräfte zu widerstehen. Schließlich gab das Land selbst unter dem titanischen Druck nach und überall auf dem Inselkontinent wurden Städte von Erdbeben eingerissen und ganze Berge eingeebnet.

Eine viele hundert Meter hohe Wasserwand brach über Nagarythe herein. Das Meer folgte ihr und bedeckte das ganze Reich und darüber hinaus auch den größten Teil von Tiranoc. Zehntausende starben von den Fluten ertränkt, von Erdbeben begraben oder von magischen Blitzen erschlagen. Die von den versinkenden Landmassen hervorgerufenen Erschütterungen konnten noch an so weit entfernten Orten wie dem Weltrandgebirge verspürt werden, und sind in den Chroniken der Zwergenkönige erwähnt.

Die Macht des Hexenkönigs war geschwächt, aber nicht gebrochen. In jenen letzten Stunden, als das Meer heranstürmte, um das Land zu verschlingen, belegten die mächtigsten von Nagarythes Zauberern ihre Fluchtburgen mit finsteren und schrecklichen Sprüchen. Als die Wogen schließlich rings um ihre Festungen hereintosten, brachen die Paläste der Zauberer frei und schwammen sicher auf den Wellen. Wie riesenhafte Eisberge trieben sie in Richtung Norden ab und trugen die überlebenden Gefolgsleute des Hexenkönigs mit sich. Auf diese Weise wurden die berüchtigten Schwarzen Archen von Naggaroth erschaffen.

Die Sintfluten zerstörten vieles von dem, was während der langen Herrschaft von Bel Shanaar wiederaufgebaut worden war und ließen die Hochelfen zeitweilig zu schwach zurück, um ihre finstere Sippe zu verfolgen. Die Schwarzen Archen konnten daher unbehelligt im lebensfeindlichen Norden der Neuen Welt anlanden, ganz in der Nähe jenes Ortes, an dem Malekith einst seinen magischen Eisernen Reif gefunden hatte. Ihre Türme bildeten dort den Kern neuer Städte. Einige Schwarze Archen wurden jedoch auf See belassen, um die Sturmumtosten Meere des Nordens zu patrouillieren. Dort zwangen sie die durch das versinkende Land vom Meeresboden Aufgeschreckten Seeungeheuer in die Dienste ihres verderbten Meisters. Die Dunkelelfen nannten ihr neues Reich Naggaroth, nach ihrem alten Heimatland.

Ein Jahrhundert später begann eine lange Periode des Seekrieges und vereinzelter Landschlachten um die Herrschaft über den Norden Ulthuans. Die Dunkelelfen trachteten danach, die Überreste ihres alten Reiches wieder in ihren Besitz zu bringen, und die Hochelfen setzten alles daran, dies zu verhindern. Keine Seite besaß die Stärke, um die Oberherrschaft zu erlangen. Die Insel des Unheils, wo noch immer Khaines Schwert ruhte, wechselte mehrfach den Besitzer. Es war in dieser Zeit, dass Caledor den Bau der Festungsanlagen am Greifentor, Phönixtor, Adlertor, Drachentor und Einhorntor befahl und persönlich überwachte. Er führte auch eigenhändig die letzte Expedition zur Insel des Unheils an und eroberte sie von den Dunkelelfen zurück. Es wird berichtet, dass er vor dem Altar stand und Khaines Klinge ihn einen Augenblick lang lockte. Er stand eine Zeitlang dort, mit gesenktem Kopf, und sagte schließlich einfach: „Nein.“

Auf dem Rückweg trieb ein plötzlich aufkommender Sturm Caledors Schiff vom Kurs und trennte es vom Rest der Hochelfenflotte. Es wurde von Dunkelelfenpiraten angegriffen, die Caledors Schiff in Brand setzten. Um nicht den Dienern des Hexenkönigs in die Hände zu fallen, sprang der Phönixkönig in voller Rüstung ins Meer. Auf diese Weise verschied Caledor der Eroberer. Es war ein trauriges Ende für einen großen König.

Noren

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05.07.2010, 11:47

Chronik der Phönixkönige - Teil 6

IV) Der Krieger

Caledor der Zweite, 1 – 598 ( Imperial Zeit -2198 bis -1600 )

Der Tod von Caledor dem Esten war ein schmerzlicher Schlag für die Elfen. Der alte Krieger hatte die Reiche durch ihre schwerste Krise gesteuert und Ulthuan in einer Zeit zusammengehalten, als es leicht zersplittert und erobert hätte werden können. Er hatte erfolgreich einen Krieg gegen die Dunkelelfen durch gestanden. Er hinterließ dem nächsten Phönixkönig, eine starke Armee, eine sichere Befestigungslinie im Norden und die mächtigste Flotte der Welt. Tragischerweise war alles vergeblich.

Der Prinzenrat von Ulthuan versammelte sich bei der Asuryanpyramide. In Erinnerung an die Ereignisse während der schicksalhaften Zweiten Ratsversammlung wurde die Stärke der Phönixgarde verdoppelt. Ihre Krieger wurden zur völligen Verschwiegenheit eingeschworen, damit keinerlei Information über die Beratungen der Prinzen in die Hände von Spionen fiele. Im Bemühen um die Wahrung einer stabilen Kontinuität wählten die Prinzen dann Caledors Sohn zum neuen Phönixkönig, der als Caledor der Zweite die Elfenherrscher der später die Torheit jedes Gedankens an eine erbliche Königswürde lehren sollte.

Denn wo sein Vater weise gewesen war, war Caledor einfältig. Während sein Vater sich als genialer Feldherr bewiesen hatte, war sein Sohn leichtfertig und unbesonnen. Caledor II. war eitel, prunksüchtig, eingebildet und aufschneiderisch. Er hatte nur eines der Talente seines Vaters geerbt: Er war ein großartiger Krieger. Aber für das Volk der Elfen, das durch den Bruderzwist mit ihren Verwandten aus Naggaroth tief im Kern erschüttert war und sich verzweifelt nach Stabilität sehnte, bot er trotz seiner Fehler das Versprechen eines vertrauten Gesichts und eines wohlklingenden Namens auf den Thron.

Seine Herrschaft stand anfangs unter einem guten Stern. Die Flotten der Elfen säuberten die Nordmeere von der Naggarother Sippschaft. Handelswege, die in den Jahren des Bruderkampfes verloren gegangen waren, wurden wieder geöffnet. Die Elfen nahmen erneut Verbindung mit den Zwergen auf. Damals stand Karaz Angkor auf dem Gipfel seiner Macht. Es war die Blütezeit der Zwergen Zivilisation. Ihre Runenschmiede hatten das umfangreiche Symbolwerk der Zauberrunen entwickelt. Ihre Alchimisten experimentierten mit Schießpulver, und ihre Ingenieure hatten die Grundlagen der Dampfenergietechnik gefunden. Von Zwergen geschmiedeter Stahl war der beste der Welt, und ihre kunstvollen Uhrwerkbetriebene Spielzeuge entlockten den Elfenkindern Jauchzer des Entzückens. Quer durch das Weltrandgebirge verliefen riesige, befestigte, unterirdische Straßen, welche die gleichfalls unterirdischen Städte der Zwerge miteinander verbanden.

Gerüchte über den Bürgerkrieg hatten zwar auch die Zwerge erreicht, aber sie waren nicht in der Lage, das Geschehen richtig zu verstehen. Plündern und Brudermord waren für sie völlig fremde und unverständliche Vorstellungen, denn kein Zwerg würde jemals den Treueid zu seinem Lehnsherrn brechen. Mit Ausnahme einiger weniger Seeschlachten war dieser Krieg nie bis in die Alte Welt vorgedrungen. In der Sicherheit ihrer Bergfestungen verschwendeten die Zwerge daher keinen zweiten Gedanken daran. Diese Selbstsicherheit sollte ihnen jedoch noch zum Verhängnis werden, ebenso wie den Elfen.

Der Hexenkönig von Naggaroth brütete derweil über einem neuen Plan. Als die Elfen in die Alte Welt zurückkehrten, nahm der Handel zwischen den Kontinenten von neuem zu. Malekith waren die geheimen Handelswege der Zwerge in seiner Zeit als Bel Shanaars Botschafter freimütig gezeigt worden, und er setzte dieses Wissen nun zu seinem Vorteil ein. Als Krieger aus Ulthuan verkleidete Dunkelelfen überfielen die Karawanen der Zwerge und plünderten sie. Wie beabsichtigt fiel de Verdacht auf die Hochelfen.

König Gotrek verlangte eine Entschädigung von den Elfen. Als Nachricht von dieser Forderung den Phönixkönig erreichte, erfolgte dessen Antwort umgehend und undiplomatisch. Er sandte die Botschaft, dass der Phönixkönig niemals Forderungen erfüllen, sondern höchstens Bittgesuche gewähren würde. Die Zwerge sind ein empfindliches, stolzes Volk. Einem Zwergenkönig vorzuschlagen, er solle um irgendetwas betteln, war fast so schlimm, wie ihm zu raten, seinen Bart abzurasieren. König Gotrek sandte Caledor daher die barsche Antwort, dass er weder Elfen noch Götter jemals um eine Gnade bitten würde. Er verlangte für die erlittene Beleidigung nun eine doppelt so hohe Entschädigung wie ursprünglich gefordert. Caledor schickte Gotreks Botschafter mit abrasiertem Bart zurück und ließ ausrichten, dass Gotrek doch nach Ulthuan kommen und seine Entschädigung persönlich eintreiben solle. Währenddessen schürten Agenten aus Naggaroth überall in der alten Welt Unruhe. Jetzt war es für die Zwerge zu einer Frage der Ehre geworden. Es gab nur noch eine mögliche Lösung: Krieg!

Mehrere Zwergenarmeen marschierten auf die Handelsstadt Tor Alessi (heute L’Anguille in Bretonia) und belagerten sie. Gotrek schwor, dass er nicht ruhen würde, bis er entweder sein Geld oder den entsprechenden Blutzoll von den Elfen erhalten hätte. Andernfalls würde er seinen Kopf kahl scheren. Das war ein mächtiger Schwur. Sein Botschafter war, ob der Scham seines abrasierten Bartes, bereits ein Trollslayer geworden. Die Zwerge waren entschlossen, dafür zu sorgen, dass ihr König kein ähnlich schmähliches Schicksal erleiden müsste.

Als er vom Angriff der Zwerge erfuhr, war Caledor außer sich vor Zorn. Er kommandierte unverzüglich eine Expeditionsarmee zu Entlastung von Tor Alessi ab. Sie bestand aus einer mächtigen Flotte und einem gewaltigen Heer. Caledors Ratgeber waren tief bestürzt, als sie die turmhohen Schiffe davon Segeln sahen. Sie befürchteten, dass die Entsendung einer solch großen Streitmacht Ulthuan nahezu wehrlos zurücklassen könnte. Caledor schäumte vor Wut über diesen Vorwurf und wischte ihre Befürchtungen als grundlos vom Tisch.

In der alten Welt schleppte sich der Krieg dahin. Keine Seite war stark genug, die andere zu besiegen. Die Festungsstädte der Zwerge waren praktisch uneinnehmbar. Die unbeugsamen Truppen der Zwerge unterschieden sich von allen Gegnern denen die Elfen bisher gegenübergestanden hatten. Die Zwerge weigerten sich aufzugeben, oder eine Niederlage einzugestehen, sogar wenn sie hoffnungslos in der Unterzahl waren. Dies war nicht die rasende Berserkerwut der Chaoshorden. Die Hartnäckigkeit der Zwerge war gepaart mit taktischem Geschick und vollendetem militärischem Können. Die Zwerge waren ihrerseits erstaunt über die Zahlenstärke der Elfentruppen. Sie hatten die Kampfkraft Ulthuans lediglich aufgrund ihrer Kenntnis einer unbedeutenden Elfenprovinz beurteilt. Die riesigen Heere gerüsteter Ritter und disziplinierter Infanterie waren keineswegs das, was sie erwartet hatten. In echter Zwergentradition weigerten sie sich jedoch zuzugeben, dass sie einen Fehler gemacht hatten.

Der Krieg begründete ein Vermächtnis des Hasses und der erbitterten Feindschaft, das Tausende von Jahren überdauern sollte. Um die Elfen zu kränken, fällten die Zwerge als Antwort auf den Zwischenfall des Bartscherens weitläufige, vormals unberührte Waldflächen bis zum letzten Baum. Beide Seiten kämpften verbissen weiter, bis sie gegenseitig fast ihre ganze militärische Stärke aufgerieben hatten. Des ausbleibenden Erfolgs müde, entließ Caledor II. schließlich seine Generäle und übernahm eigenhändig den Oberbefehl. Das war sein letzter großer Fehler. Bei der vierzehnten Belagerung von To Alessi stürmte er blindwütig direkt in das Zentrum der Zwergeninfanterie vor und wurde von König Gotrek im Zweikampf erschlagen. Der Zwergenkönig nahm dem Leichnam die Phönixkrone ab und behielt als Sühnezahlung für die Unverschämtheiten der Elfen.

Die Zwerge zogen sich vom Schlachtfeld zurück und erklärten, der Ehre sei Genüge getan. Sie lehnten jede Antwort auf die Gesuche der Elfen um die Rückgabe de Phönixkrone kategorisch ab. Gotrek verkündete, dass die Elfen gerne mit einer Armee nach Karaz-a-Karak kommen könnten, um dort die Herausgabe der Krone einzufordern. Die erste Phönixkrone ruht bis zum heutigen Tage im großen Gewölbe des Immergipfels, eine stete Quelle nagenden Hasses und gegenseitiger Beschuldigungen zwischen den Völkern. Die Zwerge bezeichnen die Elfen als Eidbrecher und Bartscherer, während die Elfen die Zwerge als Diebe beschimpfen. Es war ein kleinlicher, gehässiger und sinnloser Krieg, und Schlimmeres sollte noch folgen.

Die Elfen stellten gerade ein Himmelfahrtskommando zusammen, um Karaz-a-Karak zu belagern, die unbezwingbarste Festung der Welt, als die Nachricht eintraf, dass die Dunkelelfen erneut in Ulthuan eingedrungen waren. Der Langgehegte Plan des Hexenkönigs trug nun Früchte.

V) Der Friedensstifter

Caradryel, 1 – 603 (Imperiale Zeit -1599 bis -997)

Abermals fanden sich die Elfen ohne einen Phönixkönig inmitten eines Krieges wieder. Die Flotten des Hexenkönigs eroberten derweil nahezu mühelos die Insel des Unheils und nahmen den größten Teil der Schattenlande ein. Mehrere Schwarze Archen wurden als Brückenkopf im Hafen von Anlec angelandet und bildeten den Kern einer neuen Festungsstadt. Von dort aus zogen die Dunkelelfen dann nach Süden weiter, um das Greifentor zu belagern.

Die Hochelfen sahen sich nun in einer zangenförmigen Falle eingeschlossen und kämpften einen Zweifrontenkrieg gegen gleich zwei mächtige Gegner. Der Vierte Prinzenrat von Ulthuan traf sich eilig beim Asuryanheiligtum und wählte schon nach kurzer Beratung Caradryel aus Yvresse zum neuen Phönixkönig, der sich von Caledor II. unterschied wie die Nacht vom Tage. Er war ruhig und bescheiden, ein zwar nur mittelmäßiger Feldherr, aber dafür ein umso fähigerer Herrscher. Er fällte daher auch ohne langes Zögern die schwere Entscheidung, die Alte Welt aufzugeben. Angesichts der unversöhnlichen Feindschaft der Zwerge erschien es ihm selbstmörderisch und töricht, jetzt noch gewaltige Armeen in Übersee zu unterhalten, wo das Kernland der Elfen sich einer weit dringenderen Bedrohung gegenübersah. Er schluckte seinen Stolz hinunter, befahl, eine neue Phönixkrone zu schmieden und rief die Elfenarmeen nach Hause.

Unter den hochmütigen Elfen erhob sich ein gewaltiger Aufschrei. Dass die Phönixkrone in der Hand der Zwerge bleiben sollte, erschien ihnen als eine ungeheuerliche Beleidigung des Elfenstolzes. Caradryel antwortete ihnen jedoch unmissverständlich, dass er lieber die Krone als das Reich verlieren würde, und setzte seine Politik fort.

Harte Proteste kamen aus den Elfenkolonien der Alten Welt, die den Abzug der Armeen als Verrat ansahen. Ihre Verwandten in Ulthuan erhoben scharfe Klagen. Caradryel beschied ihnen aber, dass, wenn die Elfen in der alten Welt den Schutz der Armeen Ulthuans verlangten, sie doch zum Inselkontinent zurückkehren sollten. Viele Elfen kamen tatsächlich zurück, aber andere, wie die Elfen in Athel Loren, weigerten sich, ihr Neugewonnenes Heimatland im Stich zu lassen und blieben. Dort beschritten sie fortan andere Wege als die Hochelfen und entwickelten sich weit vom Hauptstrom der Elfenkultur in Ulthuan fort, so dass sie schließlich sogar ihre Unabhängigkeit vom Phönixthron erklärten.

Caradryel zuckte nur mit den Schultern. Er hatte wichtigere Dinge zu tun, als einen weiteren Bürgerkrieg anzuzetteln.

Da er sich seines eigenen Unvermögens als General bewusst war, ernannte er eine Reihe brillanter Feldkommandeure als Heerführer für die Hochelfenarmeen. Sie errangen zahlreiche Schlachtensiege. Besonders Tethlis aus Caledor erwarb sich einen herausragenden Ruf, als er die Belagerung des Greifentores durchbrach und die Dunkelelfen bis in Sichtweite von Anlec zurücktrieb.

Caradryel überwachte inzwischen den langwierigen Rückzug aus der Alten Welt. Er verstärkte zudem die Truppen, welche die Passfestungen hielten. Er führte auch ein System sich regelmäßig ablösender Truppeneinheiten ein, damit die Besatzungen dieser wertvollen Burgen immer frisch und bei möglichst vollen Kräften waren.

Während der restlichen Regierungszeit Caradryels flammte der Krieg im Norden Ulthuans immer wieder auf. Mehr und mehr Dunkelelfen strömten aus Naggaroth heran. Sie wurden jedoch jedes Mal von den disziplinierten, gut ausgebildeten Heeren des Phönixkönigs abgewehrt, die vielfach aus Kampf erfahrenen Veteranen des Krieges gegen die Zwerge bestanden. Die nördlichen Meere waren Schauplatz zahlreicher gewaltiger Seeschlachten. Trotz eines beschleunigten Schiffbauprogramms waren die Hochelfen aber zu keinem Zeitpunkt in der Lage, die Meere gänzlich von ihren Feinden zu säubern.

Caradryel zeichnete sich noch durch eine andere Besonderheit aus – er war der erste Phönixkönig der friedlich in seinem Bett starb.

VI) Der Schlächter

Tethlis, 1 – 304 (Imperiale Zeit -996 bis -692)

Der Fünfte Prinzenrat wählte Tethlis von Caledor, den Helden des Greifentores, zum neuen Phönixkönig. Tethlis war wieder ein kriegerischer Herrscher. Er hatte jedoch den Wert gründlicher Vorbereitung und Organisation von Caradryel gelernt. Er bestieg den Thron mit einem klaren Ziel vor Augen: die Dunkelelfen aus Ulthuan zu vertreiben und die Insel des Unheils von der Brut aus Naggaroth zurückzuerobern. Er verfolgte diesen Plan mit blindwütiger Unbarmherzigkeit und Entschlossenheit.

Noren

Gildenleiter

7

05.07.2010, 11:48

Chronik der Phönixkönige - Teil 7

Tethlis Herz war mit eiskaltem Hass auf die Naggarothi erfüllt, denn sie hatten auf einem ihrer Raubzüge seine Familie ermordet. Die Dunkelelfen hatten niemals einen unerbittlicheren Feind besessen. Er kämpfte nicht des Ruhmes oder der Ehre wegen, sondern um der Bedrohung aus Naggaroth ein für allemal ein Ende zu setzen. Der Hexenkönig hatte diesen Krieg begonnen. Tethlis war entschlossen ihn zu beenden. Das wäre ihm vielleicht sogar gelungen, wenn nicht die Macht der Drachen geschwunden wäre.

Bereits gegen Ende von Caradryels Herrschaft waren die Drachen selten geworden. Viele von ihnen verfielen in einen stets länger währenden Schlaf und erwachten daraus schließlich nur noch etwa einmal pro Jahrhundert. Die Elfen waren daher gezwungen, ihre Stärke in anderen Bereichen zu steigern, um den Verlust ihrer gewaltigen Macht und rohen Kraft auszugleichen.

Die ersten Jahre von Tethlis’ Regierungszeit waren der Aufstellung neuer Armeen gewidmet. Von jeder Elfenstadt wurde verlangt, einen Truppenübungsplatz einzurichten, wo ihre Soldaten ausgebildet werden konnten. Systematisch und mit genauer Sorgfalt baute Tethlis die Hochelfenstreitkräfte zu einer Kampfstärke auf, die sie seit Aenarions Zeiten nicht mehr gekannt hatten. Niemals schickte er eine Armee in die Schlacht, ohne sich zuvor vergewissert zu haben, dass er eine Übermacht ins Feld führte. Niemals trug er eine Schlacht aus, ohne sicher zu sein, dass er sie auch gewinnen würde.

Durch einen Zermürbungskrieg blutete er die Dunkelelfen systematisch aus. Eine Folge von gewaltigen Offensiven drängte sie im Laufe der Jahrhunderte über die Schattenlande zurück und gipfelte schließlich in der Erstürmung von Anlec. Tethlis war äußerst kaltblütig und unbarmherzig, sogar für einen Elfen. Er gab den Befehl, die ganze Stadt zu schleifen und dem Erdboden gleichzumachen. Er nahm keine Gefangenen. Anlecs Äcker wurden vergiftet. Die Elfen waren zwar entsetzt über diese Grausamkeiten, gehorchten ihm jedoch. Kein einziger Dunkelelf in Ulthuan blieb am Leben.

Nachdem er Ulthuan gesäubert hatte, wandte sich Tethlis der Insel des Unheils zu, die sich immer noch in den Händen des Hexenkönigs befand. Die größte Elfenarmada aller Zeiten wurde aufgeboten, um die Insel zurückzuerobern. Tausende von Schiffen trugen zehntausende Krieger aufs Meer. Elfenmagier sprachen Wetterzauber aus und hielten den Himmel frei von Stürmen. Nach und nach wurden die Gewässer von den Schiffen der Naggarothi gesäubert. An den Ufern der Insel des Unheils sammelten sich die Herscharen der Dunkelelfen, um den Hochelfen jedes Fußfassen an der Küste zu verwehren.

Die Elfen landeten an, und so begann die Schlacht der Wogen. Tausende Hochelfen wurden von Armbrustsalven niedergestreckt, als sie ans Ufer wateten. Von den Schiffen schossen Speerschleudern zurück und schickten dichte Pfeilschauer in die Reihen der Naggarothi. Die Brandungswellen färbten sich rot mit Blut. Vom Hass überwältigt, stürmten die Dunkelelfen ins Wasser, und es entbrannte ein erbitterter Nahkampf. Beide Seiten kämpften ohne Gnade, und scharlachrotes Wasser umspülte ihre Füße. Das Gedränge bot keinen Raum für gewandte Fechtkunst mehr, die Krieger droschen nur noch mit aller Gewalt aufeinander ein. Verwundete wurden umgerannt und ertranken in den seichten Fluten. Zoll um blutigen Zoll kämpften sich die Hochelfen ihren Weg den Strand hinauf.

Von den Klippen schickten die Dunkelelfen einen Feuerhagel herab. Mit gewohnter Kaltblütigkeit hatte Tethlis dies vorausgesehen. Während an den Stränden noch gekämpft wurde, war eine zweite Abteilung der Hochelfen etliche Meilen entfernt an Land gegangen. Kavallerie der Silbehelme galoppierte das Ufer entlang und fiel über die Feinde auf den Steilklippen her. In der anschließenden furchtbaren Schlacht wurden viele Dunkelelfen vom Klippenrand gestürzt und schrieen vor Hass und Todesangst, bevor ihre Körper auf den Felsen in der Tiefe zerschmettert wurden.

Die Elfen besaßen nun einen sicheren Brückenkopf, um auch den Rest ihrer Armee an Land zu bringen. Rasch überrannten sie die ganze Insel und trieben ihre finsteren Verwandten ins Meer. Das Gemetzel war grauenhaft. Zehntausende Dunkelelfen wurden hingeschlachtet, bis sich schließlich sogar den abgehärteten Elfenhauptleuten der Magen umdrehte. Sie befürchteten, dass ihre Truppen Geschmack an solchen Gemetzel finden und somit kaum besser als jene werden könnten, die sie bekämpften.

Ein Großteil der Elfenoffiziere sprach sich dagegen aus, den Krieg nach Naggaroth selbst zu tragen. Sie erklärten, dass die Elfen ihr Ziel erreicht hätten und dass die Verluste zu hoch gewesen seien, um Fortzufahren. Tethlis bestand darauf, dass die Elfen weitermarschierten, aber zuvor wollte er eine Pilgerfahrt zum Altar des Khaine unternehmen, von einem unwiderstehlichen Einfluss angelockt.

Auf der Ebene der Knochen, dem weiten, Knochenübersäten Ödland rings um den Altar des Khaine, sah Tethlis etwas glänzen. Von diesem Licht eigenartig angezogen, grub er die Drachenrüstung von Aenarion frei. Vom Skelett Aenarions oder Indraugnirs war jedoch keine Spur zu finden. Tethlis schenkte die Rüstung Auaralion, dem Urenkel von Morelion, Aenarions Sohn mit Astarielle. Dies war zugleich seine letzte Amtshandlung als Phönixkönig.

Es gibt zwei Überlieferungen darüber, was als nächstes geschah. Einige berichteten, dass er die Weißen Löwen zusammen mit dem Rest seiner Gefolgschaft fort schickte. Er habe erklärt, er wolle einen Augenblick der Besinnung alleine bei der Klinge verbringen, die seinem Volk soviel Leid zugefügt hatte. Man sagt, ein Meuchelmörder der Dunkelelfen sei dann aus seinem Versteck unter den Knochenhaufen hervor gekrochen und habe Tethlis mit einer vergifteten Klinge erdolcht. Andere behaupteten, dass Tethlis Khaines Schwert ergriffen habe, dass es sich in seiner Faust gewunden und angefangen habe, aus seinem steinernen Gefängnis Herhauszugleiten. Der König sei jedoch im letzten Augenblick von seiner eigenen Leibwache erschlagen worden, welche die schrecklichen Folgen gefürchtet hatte, wenn Aenarions unheilvolle Waffe ein zweites Mal auf die Welt losgelassen worden wäre.

Niemand weiß mit Bestimmtheit, was damals geschah und die Gelehrten sind sich noch heute uneins. Man weiß nur, dass Tethlis an diesem Tage starb, und dass die Elfenarmada mangels seiner anspornenden Gegenwart Naggaroth wieder den Rücken zukehrte.

VII) Der Gelehrtenkönig

Bel – Korhadris, 1 – 1189 (Imperiale Zeit -690 bis +498)

Da ihr Volk des langen und blutigen Krieges müde war, wählten die Elfenprinzen der Sechsten Ratsversammlung Bel – Korhadris von Saphery zum Phönixkönig. Dies erwies sich als weise und glückliche Entscheidung, denn Bel – Korhadris Herrschaft währte letztlich am zweitlängsten aller Phönixkönige. Er war ein Zauberprinz und ein berühmter Gelehrter. Obgleich er die Verteidigung des Reiches nie vernachlässigte, war er kein Freund des Kampfes. Er glaubte vielmehr, dass Ulthuan vor allem durch Magie beschirmt werden sollte.

So begann das große Zeitalter der Elfengelehrten. In dieser Epoche wurde der Weiße Turm von Hoeth an einer von Geomantikern sorgfältig ausgesuchten, Glück verheißenden Stelle errichtet. Mehr als eintausend Jahre lang wuchs die gewaltige Konstruktion Stockwerk um Stockwerk bis in die Wolken empor. Nur durch Zauberkraft war es den Elfen möglich, einen derart hohen Turm zu errichten. Zahllose Steinmetze arbeiteten fast ein Jahrtausend lang an kunstvollem Zierrat und Schmuckwerk. Unzählige Gelehrte trugen derweil Weisheit und Wissen aus allen vier Ecken der Welt zusammen. Magier schrieben die mächtigsten und wirkungsvollsten Zaubersprüche der Welt zusammen. Magier schrieben die mächtigsten und wirkungsvollsten Zaubersprüche der Welt in Grimoiren nieder und bewahrten sie in den Bibliotheksschreinen im Turm. Ringsum wurde er mit einem dichten Netz aus Illusions- und Schutzzaubern umgeben, um diese wertvollen Wissensschätze zu behüten.

Der Gelehrtenkönig begründete in Hoeth den Orden der Lehrmeister. Hier wird seither jede denkbare Wissenschaft gelehrt und erforscht, von der Kriegsführung übe Zauberei bis zur Astronomie und Astromantik. Es war auch in dieser Zeit, dass die ersten Schwertmeister von Hoeth sich hier zusammenfanden, um die hohe Kunst des Schwertkampfes zu erlernen und den Turm zu beschützen. Aus diesen wissbegierigen Kriegern entstand schließlich die heutige, den ganzen Kontinent durchwandernde Bruderschaft von Meisterkämpfern, die für den Hohen Lehrmeister des Turmes Informationen sammeln und Aufträge ausführen.

Viele berühmte Gelehrte und Zauberer versammelten sich in Hoeth. Der Umfang des hierbei ausgetauschten Wissens übertraf jedes zuvor und seither bekannte Maß. Im Schatten des imposanten Turmes diskutierten Tausende der weisesten Philosophen über die Wissenschaften. In der Bibliothek begann derweil ein Stab von Lehrmeistern mit der Niederschrift des Buches der Tage. Diese umfassende Geschichte des Elfenvolkes sollte bald die Grundlage aller späteren Geschichtsschreibung werden.

Dieser Ära ist weiterhin bemerkenswert als eine Periode des beinahe ungebrochenen Friedens auf Ulthuan. Die Dunkelelfen von Naggaroth waren von Tethlis furchtbarem Ansturm so stark geschwächt worden, dass sie nun eine Tiefsitzende Furcht davor hatten, das Hochelfenreich zu überfallen. Bel – Korhadris regierte weise und gut und wurde von allen geliebt. Die Elfen erinnern sich seiner Herrschaft gerne als den Beginn eines zweiten goldenen Zeitalters.

Bel – Korhadris starb unmittelbar nach der Fertigstellung des Weißen Turmes, und wurde inmitten seiner Grundmauern zur ewigen Ruhe gebettet. Es wird behauptet, dass sein Geist noch heute durch die Gewölbe unter dem Turm schwebt und manchmal wissbegierigen Gelehrten bei ihren Forschungen hilft.

VIII) Der Dichter

Aethis, 1 – 622 (Imperiale Zeit 498 bis 1120)

Auf Bel – Korhadris folgte Aethis von Saphery. Er war der erste Phönixkönig, der nicht ein vom Untergang bedrohtes Königreich erbte oder den Thron in den Nachwehen eines Krieges bestieg. Auch während seiner Herrschaftszeit hielt der lange Frieden an. Die Dunkelelfen blieben in Naggaroth. Sie hatten seit geraumer Zeit ihre Raubzüge eingestellt. Viele vermuteten daher bereits, dass sie ein aussterbendes Volk wären. Zugleich mehrten sich die Gerüchte, dass der Hexenkönig endlich gestorben sei. Auch die Zwerge waren zufrieden damit, in Ruhe gelassen zu werden. Während der ersten Jahrhunderte von Aethis’ Herrschaft drang zwar die Nachricht über die Gründung eines neuen Imperiums der Menschen nach Ulthuan, aber das schien kein Anlass zur Besorgnis zu sein. Gegenwärtig drohte den Elfen von keiner Seite Gefahr.

Aethis war ein berühmter Dichter und Sänger. Er rief alle großen Künstler Ulthuans an seinen Hof in Saphery zusammen. Dichter, Schauspiele, Male, Bildhauer und Maskenspielautoren fanden in seinem weitläufigen Palast aus geschnitzter Jade willkommene Aufnahme. Es war die höchste Blütezeit der Elfenkultur, in der auch die Mehrzahl ihrer großartigen Kunstwerke geschaffen wurde. Es war die Zeit, in der erstmals die Schöpfungsdramen von Tazelle aufgeführt wurden und Torion Feuerherz seine animierten Hofporträts erfand. Ein Heer von Bildhauern und Künstlern verschönerte sogar die Berge von Chrace. Über dem Greifentor ragte seitdem ein riesenhafter, eineinhalb Kilometer hoher Greif in den Himmel, der sich vom Beg unmittelbar in die Luft emporzuschwingen scheint. Dieses imposante Kunstwerk eines genialen Bildhauers wirkte so lebensecht, dass sich bald eine Legende entspann. Demnach wird der Greif in Zeiten der Not zum Leben erwachen, um den Pass gegen jeden Eindringling zu verteidigen.

Unermessliche Reichtümer wurden für solche Prunkbauten aufgewendet. Die Stadt Lothern schwoll von einem kleinen Fischerdorf zu einer riesigen Metropole an, um den stetig zunehmenden Handelsverkehr mit den Kolonien und anderen Reichen zu bewältigen. Es wurden diplomatische Beziehungen mit dem alten Reich der Menschen in Cathay aufgenommen. Vertreter des Phönixkönigs gelangten an den Hof des Kaisers von Cathay und Seide, Jade und Gewürze waren bald geschätzte Alltagswaren.

Im festen Glauben an ihre Stärke fingen die Elfen schließlich an, ihre Heere und Flotten zu verkleinern. Nach beinahe fünfzehnhundert Jahren relativen Friedens unter Bel – Korhadris und Aethis begannen die Erinnerungen an alte Kriege und alten Feindschaften zu verblassen. Es wurden sogar Versuche unternommen, die Zwerge auf dem Verhandlungswege zur Rückgabe der Phönixkrone zu bewegen. Diese Ansinnen wurden zwar alle abgelehnt, doch die Elfen fühlten sich diesmal nicht beleidigt.

Eine satte Selbstgefälligkeit machte sich bereit. Bei Hofe schossen die unterschiedlichsten Machtgruppen wie Pilze aus dem Boden. Das Intrigenspiel, schon immer ein beliebter, aber gefährlicher Zeitvertreib der Elfen, wurde für viele Höflinge zum alleinigen Lebenszweck. Seltsamerweise war dies jedoch auch die Zeit, in der sich die Elfen gewahr wurden, dass sie ein sterbendes Volk waren. Denn selbst in den langen, goldenen Tagen des Friedens war die Bevölkerung unaufhaltsam geschrumpft. Die Zahl der Geburten hatte schlicht abgenommen, und die großen Städte begannen sich zunehmend zu leeren.

Abermals breitete sich der Kult der Sinnesfreuden aus, dieses Mal jedoch völlig im Geheimen, was ihn für die übersättigten Aristokraten der Elfen nur noch verlockender machte. Nach einiger Zeit leiteten die Schwertmeister von Hoeth eine Untersuchung des Kults ein und meldete ihre Ergebnisse an den Weißen Turm zurück. Ihre Enthüllungen beunruhigten den Hohen Lehrmeister ausreichend, um sie dem Phönixkönig vorzutragen. Dabei wurde der Hofkanzler als geheimer Spion für Naggaroth entlarvt. Als er öffentlich enttarnt wurde, trieb er einen vergifteten Dolch in Aethis’ Herz. Auf diese Weise starb der achte Phönixkönig durch die Hand eines Freundes, dem er völlig vertraut hatte.

IX) Der Leidgeprüfte

Morvael, 1 – 381 (Imperial Zeit 1121 bis 1502)

Der Achte Prinzenrat von Ulthuan bestimmte Morvael von Yvresse zum Nachfolger des ermordeten Phönixkönig. Er war unter Aethis der Hohe Lehrmeister des Weißen Turms gewesen. In der abstrakten Theorie der Kriegsführung war er daher hevorragend bewandert, besaß allerdings kaum nennenswerte praktische Kampferfahrung. Seine erste Amtshandlung nach der Krönung bestand im Befehl einer Strafexpedition gegen Naggaroth, um den heimtückischen Meuchelmord an Aethis zu rächen. Eine Elfenflotte wurde in den kalten Norden ausgeschickt und dort von den Dunkelelfen mit Leichtigkeit aufgerieben.

Als die wenigen Überlebenden die Botschaft dieses Fiaskos nach Ulthuan zurücktrugen, breitete sich Furcht und Panik unter den Hochelfen aus. Eine Niederlage war das Letzte, was sie erwartet hatten. Sie hatten geglaubt, die Bedrohung durch Naggaroth sei praktisch erloschen. Nun schien es, als ob die Dunkelelfen die Zeit gut genutzt hatten, um erneut ihre Kräfte zu sammeln. Indem sie zugelassen hatten, dass Bel – Korhadris und Aethis die Stärke ihrer Flotten und Heere abbauten, hatten es die Elfen Ulthuans ihren finsteren Verwandten ermöglicht, militärisch wieder aufzuholen und Ulthuans Macht fast zu überflügeln.