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Noren

Gildenleiter

1

05.07.2010, 11:36

Schatten über euch

Die Neva, ein elbisches Volk, greift in eine Schlacht ein um den Lohonev, einem Reitervolk der Menschen, beizustehen. Die Neva werden angeführt von Sirnathiel, einer Prinzessin und Sephiel einem magischen Krieger.
Begleitet werden sie von Even, einem jungen Offizier der Imperialen Garde...


Dunkle Trommeln ließen die Herzen der Verteidiger erzittern, als der Himmel selbst sich verdunkelte. Schwarze Gewitterwolken zogen auf, denn wie schon in den Schlachten zuvor zeigte sich hier Genaans finsterer Zauber.
Männer und Frauen der Lohonev warteten auf die bestärkende Stimme ihrer Hauptleute, doch keiner von ihnen sprach, selbst Vrejan schwieg bei dem Anblick der sich ihnen bot. Sie waren starr vor Angst, einzig Kurna zitterte nicht.
Er blickte sich um, sah die Angst seines Volkes und erhob seine Stimme: „Männer und Frauen der Steppe, hört mich an! Wir sind wenige, doch unsere Herzen sind schwach, fast Mut! Wir sind nicht allein in dieser Welt, wir kämpfen für das Licht, für die Freiheit, für unsere Kinder. Bleibt standhaft!“
Einige der Verteidiger fassten so neuen Mut, doch blieb die Angst in den Meisten stark genug um sie zu schwächen.
Schon stand das Heer Genaans bereit, und bliese zum Angriff. Als die Lohonev ihre Feinde auf sich zustürmen sahen verließ viele der Mut gänzlich und sie wandten sich ab, bereit von den Mauern zu fliehen.
Da erklommen fremde Reiter die Hügel im Nordosten, finster war ihre Erscheinung denn jeder von ihnen war in voller Rüstung und schwer bewaffnet.
Doch über ihren Köpfen wehten Fahnen in allen Farben des Regenbogens und über ihnen brach der Himmel auf und die Sonne glitzerte in ihren Rüstungen. Sie hielten sich nicht auf, sondern stürmten voran, dem Heer Genaans entgegen.
Erst waren die Männer und Frauen auf den Mauern nicht sicher, doch dann, nach schier endlosen Minuten, wurde ihnen gewahr wer ihnen dort zu Hilfe eilte. Sie jubelten und keiner wollte mehr fliehen, sie ergriffen ihre Waffen mit neuem Mut und jene die schon geflohen waren eilten zurück zu ihren Posten.
Kurna selbst sah das Schauspiel von den Mauern aus und sein Herz schien zerspringen zu wollen.
Schon klangen die Hörner der Neva in der Luft und übertönten die Trommeln ihrer Feinde. Als träge der Wind ihre Rösser stürmten sie gegen ihre Feinde, singend mit zornigem Glanz in den Augen, allen voran der Orden.
Kurna befahl ohne zu zögern den Ausfall, und so machten sich die berittenen Krieger der Lohonev hinter ihren Toren bereit sich dem Feind auf offenem Feld entgegenzustellen.
Inzwischen war das Heer der Neva heran, angeführt von Sirnathiel und Even schlugen sie ohne inne zu halten in die feindlichen Linien ein.
Angst war ihnen Fremd, sie kannten nur ihre Pflicht und den Schmerz ihres vergangenen Königreiches. Sie waren die Lanze des Lichts und einige der Menschen in den Reihen Genaans hatten sich längst zur Flucht gewandt. Die Mynias jedoch ließen keinen verrat zu und sie erschlugen die fliehenden.
Speerträger erwarteten in zweiter Linie den wütenden Angriff der Reiter.
Als sich die Tore Eck´Vejs vor Kurna geöffnet hatten und er mit seinem Heer hinaus ritt traf dort gerade die Armee Lichts auf die Truppen der Finsternis.
Even ritt in zweiter Reihe und war selbst nur noch wenige Augenblicke von dem tödlich wirkenden Wald aus Speeren entfernt die ihnen ihre Feinde entgegenstreckten.
Er wappnete sich, hob sein Schwert wie Vrejan es ihn einst gelehrt hatte. Die spitzen der Speere kamen näher, sein Pferd wieherte laut, vor ihm ertönte der Schrei eines sterbenden. Even schloss im letzten Moment vor dem Aufprall die Augen.
Wieder schrie jemand und Evens Schwert traf auf Widerstand. Ein stechender Schmerz breitete sich in seinem linken Knie aus.
Wild brüllend um seine eigene Angst zu verhöhnen riss er die Augen auf und war auch schon inmitten des Kampfes. Ihm blieb keine Zeit zum Nachdenken, keine Zeit um zu Begreifen, er würde Leben oder Sterben und nur er selbst konnte dies beeinflussen. Ihm war als würde ein fremder Geist von ihm Besitz ergreifen, als stünde sein Verstand neben ihm. Er war nun nicht mehr der junge Mann von einst, sondern ein Krieger, inmitten eines Schlachtfeldes voller Wut, Zorn und Tot. Und wäre er etwas anderes gewesen, er hätte es nicht überleben können.
So wurden ihm die Schrecken des Krieges gewahr, als seien sie nur ein böser Traum, ein Traum jedoch, der Wirklichkeit wurde wenn man nur die Augen öffnete, doch sie geschlossen zu halten bedeuteten unweigerlich den Tot.
So blieb ihm nichts, als selbst zu einem Werkzeug des Todes zu werden, und wenn auch nur um nicht selbst vom Tot ereilt zu werden.
Die beiden Reiter zu Evens Seite wurden von den Speeren der Mynias aufgespießt und aus ihren Sätteln geworfen.
Wie durch Zauber blieb Even unverletzt und sah sich plötzlich von Feinden umringt. Fast blind schlug er mit seinem Schwert zu allen Seiten, traf hier und dort etwas, parierte einen Schlag und galoppierte vorwärts ohne zu wissen wohin, doch da waren auch schon die Leibwächter Sirnas um ihn herum.
Die Augen der Neva des Kriegerordens leuchteten und Zorn war in ihren Gesichtern. Doch waren es nicht Hass und Wut wie in den Augen der Mynias, sondern gerechter Zorn und der Wille zur Vergeltung.
Nichts schien ihren Waffen standhalten zu können, ihre Schwerter Durchschnitten Rüstungen, Schilde, Fleisch und Knochen.
Doch die Zahl ihrer Feinde schien unendlich, und es waren nicht nur Mynias die sich ihnen entgegenstellten. Einige ihrer Gegner hatten rattenähnliche Gesichter und schienen weder Furcht noch Schmerz zu kennen. Es waren Dämonen, geschaffen aus den versklavten Seelen über die Genaan gebot und sie wüteten schrecklich unter den Kriegern des Bündnisses.
Von zwei Seiten bedrängten sie nun das Heer Genaans, die Neva kamen von Nordosten die Lohonev unter Kurnas Führung hingegen von Westen. Doch trotz all ihrer Anstrengungen hielten die Linien ihrer Feinde stand.
Gerade formierten sich die Nevakrieger um Even und Sirna neu, da erschien etwas auf dem Schlachtfeld dessen Anblick Evens Blut gefrieren ließ.
Es war eine Kreatur aus Schatten, ein Wesen aus nichts als dunklem Rauch, als bestünde es aus wahr gewordenen Alpträumen. Ein großer Dämen, hoch wie zwei Männer, und Klauen welche länger waren als Evens Schwert. Es schien fast als sauge das Wesen jedes Licht um sich herum in seinem Körper auf, seine Umrisse verschwammen bei genauerem hinsehen, noch tat es nichts, doch zu all seinen Seiten starben Neva und Lohonev gleichermaßen.
Zu Evens linken stand ein Krieger der Neva mit weit aufgerissenen Augen, den Blick auf jenen Dämonen gerichtet welcher unter seinen Feinden wütete.
„Er ist hier“, schrie dieser plötzlich. „Zu mir Brüder des Lichts, für das Leben!“ Und mit diesen Worten stürmte er schreiend dem Schatten entgegen. Jene Neva die ihm nahe waren folgten ihm, und ihre Schreie zeugten von unstillbarem Hass.
Sie erreichten das schwarze Wesen, hoben ihre Waffen um ihn niederzustrecken, und starben.
Sie waren nicht verletzt, stürzten einfach zu Boden und waren von allen Lebensgeistern verlassen. Ein keuchendes Stöhnen erhob sich von den leblosen Körpern und die Schattenhafte Gestalt wurde größer.
Nein sie wurde nicht größer, sie kam direkt auf Even zu. Schritt um Schritt, Elle um Elle kam sie heran. Evens Blut gefror, in seinem Geist was nichts als Angst zu finden. Dunkle, leere Augenhöhlen blickten ihn an, verschlangen ihn und lähmten seinen Geist.
Mynias und Neva zugleich flohen nun vor der Ausgeburt allen Schreckens während sie über das Schlachtfeld wandelte.
Evens Pferd scheute und er ging zu Boden. Vom Sturz zwar benommen, doch wieder Herr seiner Sinne rappelte er sich auf und sah sich um.
Um ihn herum standen die Leibwächter des Ordens mit hoch erhobenen Schwertern. „Bleibt standhaft“, rief ihr Anführer, doch dann war die Schattenkreatur heran.
Schwarze Klauen hoben sich in den Himmel und stürzten sich auf die Verteidiger herab. Sie drangen durch Metall, Stoff, Fleisch und Knochen.
Die Ordenskrieger starben in Sekundenbruchteilen als das körperlose Wesen sie auseinander riss. Aufspritzender Blutschlamm nahm Even die Sicht, dann war er mit dem Dämon allein.
Even spürte jedoch keine Angst, keinen Schmerz, keinen Zorn.
Er war plötzlich völlig ruhig, er hörte weder den Schlachtenlärm um sich herum, noch das Schreien Sirnas die ihm zurief er solle fliehen und zugleich auf ihn zustürmte. Einzig sein Herz war es das er schlagen hörte als er dem Feind aller freien Völker gegenüberstand.
Es war eine Kreatur aus Staub und Schatten, ein Wesen aus reiner Finsternis, Schmerz, Leid und Hass. Genaan hob seinen Arm und schlug zu, seine Finger formten sich zu langen Klauen er würde Even nicht verfehlen, sein Tod war unausweichlich!
Doch da stand Sephiel plötzlich zwischen ihm und der Kreatur, Schwert und Schild hoch erhoben. Der Angriff traf ihn mit aller Kraft. Durch die Gewalt des Schlages einfach zur Seite gefegt hörte Even das zerreißen seines Schildes und das hohe klingen als sein Schwert zerbrach.
Ohne Zögern warf sich Genaan nun auf Even und Sirna war noch immer zu weit entfernt um zu helfen.
Wie im Traum sah Even wie sich das Schwert in seiner Hand hob um den Angriff abzuwehren, Licht brach aus den Runen der Klinge und das Wunder geschah, die Klaue des Dämonen glitt an dem Schwert ab und verschwand bei der Berührung, als hätte es sie nie gegeben.
Der Schatten Genaans, nun seiner Rechten Hand beraubt blieb noch einige Sekunden am selben Ort, dann brüllte das Wesen und der Klang stürmte durch Evens Kopf wie eine Heerde Wilder Pferde durch hohes Graß. Dann verschwand er, als würde eine gewaltige Böe den Dämon hinwegfegen und hinauftragen in die weiten des Himmels. Doch der Schatten blieb dort in den Wolken und verflüchtigte sich nicht.
„Even!“ Sirna schrie. „Even, Liebster, bist du verletzt?“ Bei diesen Worten betrachtete sie erschrocken die Überreste der Krieger des Ordens um ihn herum. Ihre Körper waren so schrecklich zugerichtet das sie kaum als Neva zu erkennen waren.
„Ja, ja ich glaube schon!“ Stotterte Even.
„Dann komm!“ Sirna verlor keine Zeit. „Die Schlacht hat sich zum Schlechten gewendet, das Ausfallheer der Lohonev wurde geschlagen und sie fliehen zu ihren Mauern, auch wir müssen gehen So wenige, so wenige von uns sind übrig“, fügte sie leise hinzu.
Even sah sich um, tatsächlich hatte sich die Schlacht verlagert, um Even herum gab es nur noch einige Neva welche zwischen den Leibern am Boden nach überlebenden suchten. Der Schlachtenlärm war leiser geworden, es schien als hätte der dunkle Dämon gegen den er gekämpft hatte das Feld verlassen, dabei jedoch so viele Neva getötet das diese ihren Ansturm auf die Flanke des vorrückenden Heeres hatten aufgeben müssen.
Kurna stand nun allein. Keine zwei Schritte von Even entfernt, lag der Leichnam Sephiels, schrecklich entstellt mit leeren Augen und einer leeren Seele.

© Deheron