Nur ein Gerücht
Aus den Aufzeichnungen von Adam Vogel, reisender Händler aus Altdorf :
...Ich hätte doch nicht eine Abkürzung versuchen sollen, nun irre ich seit Stunden in diesem Wald umher und er scheint kein Ende zu haben. Ich glaube sogar ich gehe im Kreis und das allerschlimmste ist, dass die Sonne bald untergeht. Die Bewohner des letzten Dorfes haben mir abgeraten mich bei Nacht ausserhalb einer Ortschaft aufzuhalten, zu gefährlich haben sie gesagt. Immerhin befinde ich mich hier im Grenzland zu den Chaoslanden und die Dorfbewohner munkelten über einen Schrecken in diesem Wald, der Nachts unachtsamen Reisenden auflauere. Wie konnte ich mich nur dazu überreden lassen an der Grenze zu den Chaosländern neue Handelswege zu erschließen ? Sicher sind ausgewählte Güter den Menschen hier einiges Wert, wo sie doch fast nichts haben aber wer riskiert dafür schon sein Leben ? Ich scheinbar...
Ende der Aufzeichnungen
Adam schreckte auf und packte sein Tagebuch rasch in seine Feldtasche, er war sich sicher in der Ferne ein geräusch gehört zu haben. Adam Vogel war ein einfacher reisender Händler mitte 30 und strüppiges blondes Haar. Seine Kleidung hatte wahrlich schon bessere Tage gesehen und man sah ihm an, dass er schon einige Zeit unterwegs war.
"Ich muss schnell aus diesem Wald raus, ich bin hier nicht allein" murmelte er vor sich hin. Plötzlich vernimmt er das heulen eines Wolfes, sichtlich nervös zurrt er seine Tasche fest und marschiert strammen schrittes in die scheinbar entgegengesetzte Richtung aus der er meint das Wolfgeheul gehört zu habe. Erneut heult ein Wolf, doch diesmal ist es deutlich näher und scheinbar kommt es jetzt auch noch aus einer anderen Richtung aber Adam war sich sicher, dass beide male das Heulen identisch war. Ein drittes Heulen und diesmal war es sehr nah, maximal 100m entfernt und irritiert blieb er auf einer kleinen Lichtung stehen. Die untergehende Sonne schien durch das Laubwerk und erleuchtete den sonst sehr dichten und dunklen Wald. Eine gespenstische Stille überkam die Umgebung und noch nicht einmal das rauschen der Bäume war zu hören.
Adam wusste nicht was er tun sollte, der Wolf hat ihn sicher schon gewittert dachte er sich aber er hoffte dass dieser ihn in Frieden lassen würde. Eine Waffe hatte er nicht und ein Kämpfer war er erst recht nicht, er verabscheute Waffen und den Krieg, der seine halbe Familie ausgelöscht hatte.
Die unheimliche Stille brach durch ein lautes rascheln direkt vor ihm in einem Busch nur wenige Meter entfernt, doch Adam konnte nicht erkennen was für eine Kreatur sich dort drin befand, ein Wolf oder eine Monströsität des Chaos ?
Adam trat einen Schritt zurück und mit einem blitzschnellen Satz sprang ein Wolf aus dem Gebüsch hervor nur 1 Meter von Adam entfernt und fletschte die Zähne. Es war kein gewöhnlicher Wolf, so einen hatte er noch nie gesehen. Er war deutlich größer als ein normaler Wolf, fast schon riesig und sein Fell war schneeweiß. Dieses Tier würde bei weitem keine Probleme haben ihn zu überwältigen dachte sich Adam und geistig schloss er schon bereits mit seinem Leben ab, wer sollte ihn hier draussen auch retten ? "Das war es also" dachte er sich und in dem Moment als der Wolf fletschend zu einem Sprung ansetzte verstummte er plötzlich. Blitzschnell richtete der Wolf seinen Blick in den Wald, Adam war sich sicher kein Geräusch vernommen zu haben, aber so schnell wie der Wolf erschien verschwand er mit einem gewaltigen Satz in der Dunkelheit des Waldes.
"Puh, da hab ich aber Glück gehabt" dachte er sich. Erleichtert blickte er noch immer in die Richtung in die der Wolf gelaufen war, ohne ihn zu sehen doch dann kam erneut Nervosität in ihm auf..."Wovor ist dieser Kraftvolle Wolf geflohen ? " dämmerte es ihm, "Ich muss hier weg" murmelte er doch als er sich umdrehte wurde er Kreidebleich.
10m vor ihm stand eine Person oder war es ein Schatten ? Nein es war eine Person, gross gewachsen. Doch obwohl die Sonne genau auf den Unbekannten schien, war es Adam nicht möglich irgendwelche Details zu erkennen, als wenn das Licht einen Bogen um ihn herum machte.
"Wer ist das nun wieder?" dachte Adam "Ein Räuber? Ein Anhänger des Chaos ? Ein Jäger aus einem nahe gelegenem Dorf....? Nein, wohl kaum, bis auf den Wolf habe ich in diesem verfluchten Wald keine Tiere gesehen. Was soll ich nur tun ? Heute geht aber auch alles schief. Ich könnte behaupten ich wäre ein erfahrener Krieger und er solle bloss nicht näherkommen aber das würde er sicher nicht glauben, nicht bei meinem Erscheinungsbild und ich besitze noch nicht einmal eine Waffe. Ich könnte ihm natürlich etwas von dem Handelsgeld zum Aufbau der Handelsbeziehungen anbieten, damit er verschmindet, aber was würde ihn daran hindern mir einfach die Kehle aufzuschlitzen und sich all mein Habgut einfach zu nehmen ? Vermutlich nichts ! Ich muss....."
"Ihr reist weit ab der Straße, wer seid ihr?" unterbrach der Fremde Adams Gedanken.
"A-Adam, Adam Vogel, mein Herr, reisender Händler aus Altdorf" sprach Adam, nachdem er beschlossen hatte, dass die Wahrheit hier wohl das beste Mittel wäre.
"Dieser Wald ist nicht sicher, warum reist ihr so weit ab der Straße ?" sprach der Unbekannte.
Adam bemerkte, dass die Stimme scheinbar aus mehreren Richtungen zu kommen schien, war das ein Zauber, dachte er sich? So etwas hatte er bei dem Wolf doch auch erlebt.
"Ich wollte eine Abkürzung nehmen und habe mich verirrt" sprach er.
"Verirrt also..." und der Fremde trat nun vom Rand der Lichtung auf Adam zu und obwohl der gesamte Boden mit kleinen Hölzern und Ästen übersäht waren, bemerkte Adam, dass die Schritte des Fremden nicht ein Geräusch verursachten. Er ging äußerst elegant aber dennoch Geschwind. "Wie lange er mich wohl schon verfolgt" dachte sich Adam.
Der Fremde blieb 1 meter vor ihm stehen und nun erkannte er etwas mehr. Er war ganz in einer Lederrüstung gekleidet, an seiner linken Hüfte hing ein Langschwert, zu seiner rechten ein langer Dolch, beide Waffen waren mit Runen verziert. In der linken Hand hielt er einen Langbogen, meisterhaft gearbeitet, und auf seinem Rücken unter einem langem Cape erkannte er einen Köcher voll Pfeile. Die Kaputze des Capes saß dem Fremden auf dem Kopf und dann erschreckte Adam erneut. So sehr er sich auch anstrengte und obwohl die untergehende Sonne dem Fremden genau ins Gesicht schien war unter der Kaputze nur ein dunkler Schatten zu sehen.
"U-Und wer seid ihr, mein Herr?" fragte Adam.
Und als wenn Adam eine Zauberformal gesagt hätte verschwand der Schatten unter der Kaputze und ein Gesicht kam zum Vorschein.
"Stancer, Stancer Grauschatten" sprach der Fremde und nahm zugleich die Kaputze ab. Und jetzt erkannte Adam es, vor ihm stand ein Hochelf aber was hatte er nur hier verloren ? Adam begutachtete noch einmal den Hochelfen von Kopf bis Fuß..."Das kann doch nicht....er sieht aus wie einer der Schattenkrieger, aber das ist doch unmöglich" dachte er sich.
"Was führt einen Hochelf Schattenkrieger ins Imperium?" fragte Adam nun provokativ da er sich sicher war, dass Stancer ihm nichts böses wollte.
"Ich bin in geheimer Mission für meine Gilde in diesem Wald unterwegs" antwortete Stancer
"Gilde?" und Adam fiel erst jetzt ein kleines Wappen auf der Brust von Stancer auf, es zeigte den Griff eines Schwertes und an dessen Knauf waren Flügel oder Schwingen angebracht.
"Ich bin ein Abgesandter der Silberschwingen....." Silberschwingen, bei diesem Namen stockte Adam der Atem. Er hatte schon wahrlich viel von dieser Gilde gehört doch niemals hätte er es sich träumen lassen mal einem angehörigen dieser Gilde zu begegnen, nur eine handverlesene Auswahl durfte unter dem Schwingenkönig dienen, doch überall wo die Silberschwingen auftauchten sprach man, gab es ein wahres Gemetzel unter den Streitkräften der Zerstörung. Man sagt die Gilde hätte ganz alleine bei Nordenwacht eine riesige Horde der Zerstörung vollständig vernichtet ohne dass sie selber einen Verlust beklagen zu müssen.
"...es gibt Gerüchte, dass Chaos bald in dieses Gebiete einfallen will." sprach Stancer
"Ja, ich hab einen riesigen Wolf gesehen, der kann nicht natürlich sein." sagte Adam aber Stancer lächelte nur und stieß einen leisen Pfiff aus. Nur Sekundenbruchteile und der riesige weiße Wolf sprang erneut aus dem Gebüsch, doch diesmal nicht Zähnefletschend, sondern mit einem sanften Ausdruck. "Das ist Silberfell, mein treuer Gefährte, er kann vielleicht nicht sprechen, aber er ist sehr schlau und zusammen sind wir schon durch einige Gefahren gegangen". Adam stand verwundert vor dem merkwürdigen Pärchen, denn Schattenläufer waren nicht gerade dafür bekannt sich Tiergefährten zu halten.
Seine Verwunderung wurde Unterbrochen als Stancer und Silberfell blitzschnell ihre Blicke in den Wald warfen, als hätten sie etwas gehört, aber Adam, auch aufmerksam lauschend, hörte nichts.
"Kommt, die Sonne ist schon fast untergegangen und der Wald ist Nachts nicht sicher, ich bringe euch zur Straße. Von da ist es nicht mehr Weit bis zu einer Ortschaft."
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg und Adam dachte sich nur:
"Stancer Grauschatten, Schattenläufer der Silberschwingen und sein Gefährte Silberfell.....das wird mir niemand glauben"
© Stancer