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Noren

Gildenleiter

1

06.06.2010, 15:54

Die Geschichte eines Jungen

Es waren die Tage des letzten Gefechts,
jene Tage in denen manch junger Mann zum Helden wurde,
und manch großer Ritter das Weite suchte.


Prolog
Es waren die Tage in denen Valten, die Wiedergeburt Sigmars selbst die Welt verließ und die Armee des Chaos in der großen Schlacht geschlagen ward.
Erneut hatte das Imperium gesiegt und sein Herrschaftsgebiet verteidigt. Ein brüchiger Frieden kehrte ein und die Welt Atmete wieder ein wenig reine Luft.
Ein neues Zeitalter wurde geboren, ein Zeitalter welches seine Helden nötiger haben würde als alle anderen zuvor.

Abschnitt 1
Dehorn wusste nichts von alledem. Tief in den Wäldern von Middenheim hatte er wohl das fehlen der Tiere bemerkt, doch der Krieg war fern und belastete sein Gemüt nicht.
Seit Tagen nun strich er durch das finstere Dickicht auf der Suche nach dem Ziel seiner Wünsche. Mit seinen 15 Jahren lag er nun schon 1 Jahr hinter seinen Altersgenossen zurück was die „Große Jagt“ anging. Dem Prozess der Mannwerdung in seinem Stamm. Zu 3 erfolglosen jagten war er im letzten Jahr aufgebrochen. Dies war nun sein vierter Versuch und er hatte sich geschworen nicht zu versagen. Er würde erst zurückkehren wenn er die Haut eines toten Ebers über seinen Schultern trug. Pfeil und Bogen fest in den Händen, sein Schwert immer griffbereit pirschte er sich so leise er konnte durch das Unterholz, doch fand er kein Tier das größer war als ein Insekt.

Dies war nun der 10te Tag seiner Jagt und sein Proviant war fast aufgebraucht, sein Magen knurrte bereits und langsam verließen ihn auch seine Kräfte.
Fast wollte er es für diesen Tag auf sich beruhen lassen und in sein kleines Lager zurückkehren, als er vor sich ein Geräusch vernahm.
Tief in den Schatten des Waldes geduckt näherte er sich dem Ursprung. Dann vernahm er ein Grunzen zwischen brechenden Zweigen. Schon frohlockte er, denn es war das Grunzen eines wilden Ebers, doch dann erklang ein heller Schrei, gefolgt von einem Geräusch das ihm das Blut in den Adern gerinnen ließ.
Er stockte, trat noch einen Schritt vor, unsicher ob er weitergehen sollte. Neugierde rang mit der Angst, blieb jedoch siegreich. Die Verlockung endlich zum Mann aufzusteigen war stärker als seine Bedenken, also schritt er weiter. Das Geräusch brechender Knochen und zerreißenden Fleisches kam näher.
Er konnte nur noch wenige Schritte entfernt sein, doch noch sag er nichts. Es wurde bereits dunkel, die Nacht brach herein und die Schatten der Bäume schienen zu verschwimmen als er den Ursprung allen Schreckens endlich erblickte.

Ja es war ein wildes Tier, einem Eber sehr ähnlich, doch keinesfalls ein Wesen der Natur. Sein Körper war seltsam verschoben, er wirkte unecht und seltsam falsch als sei er nicht von dieser Welt.
Blut rann die gewaltigen Stoßzähne herab von welchen er gerade den Kadaver eines Menschen zu schütteln versuchte. Blutrote Augen starrten ins leere und doch schien es als sei sich der Eber Dehorns Anwesenheit bewusst.

Er wollte fliehen, davonlaufen und vergessen. Doch als die roten Augen des Untiers die seinen fanden wusste Dehorn es gab kein entrinnen…

Noren

Gildenleiter

2

06.06.2010, 15:55

Abschnitt 2
...da stürmte der Wahrgewordene Alptraum eines Ebers los. Dehorn hob seinen Bogen, plötzlich gab es keine Angst mehr, nur Schrecken und die Gewissheit dass er um sein Leben kämpfen musste. Sein erster Pfeil traf die Schnauze des Untiers, blieb darin stecken, zeigte aber sonst keinen Effekt. Unaufhaltsam stürmte der Eber ihm entgegen, riss das Maul weit auf so das Dehorn das verwesende Fleisch in seinem inneren erkennen konnte. Im letzten Augenblick warf er sich zur Seite und entging so dem tödlichen zusammenprall. Der Eber stürzte und schlug hart gegen einen großen Stein, erhob sich jedoch sofort wieder, die Nüstern blutig, die Augen allen natürlichen beraubt setzten scharten seine Hufe um erneut anzugreifen. Dehorns zweiter Pfeil fand sein da sein Ziel, das Auge des Wesens. Wütend heulte es auf, warf den Kopf hin und her während Blut aus der Wunde quoll.
Der dritte Pfeil lag auf Dehorns Sehne als die Realität plötzlich wie Wellen über seinem Verstand hereinbrach. Die lähmende Angst war zurückgekehrt und mit ihr war sein Kampfeswille gebrochen.
Der Bogen sank aus seinen zitternden Händen während der Eber ihn erneut angriff. Dehorn wandte sich zur Flucht, rannte blindlings ins Dickicht er wollte nur noch eines, dem Wesen entkommen und zurück zu seiner Familie.

Seine Flucht währte jedoch nur kurz, ein stechender Schmerz in Beinen und Rücken, dann schlug er auf dem Waldboden auf. Blätter und Erde drängten sich in seinen Mund, das wahnsinnige keifen des Ebers über ihm, dessen stinkender Atem und das Bewusstsein dem Tode näher zu sein als dem Leben ließen den Wahnsinn in ihm aufsteigen.

Wie in Trance sah er sich selbst nach seinem Schwert greifen und es dem Eber in die Kehle rammen.
Dann brach das Untier über ihm zusammen und begrub Dehorn unter seinem massigen Körper.
Es war Nacht geworden als er wieder erwachte. Der Mond stand hoch am Himmel und die Sterne leuchteten hell. Jeder Muskel in Dehorns Körper schmerzte und sein Herz jagte. Über ihm lag noch immer der stinkende Leichnam des Ebers. Nur mit größter Mühe gelang es ihm sich langsam unter ihm hervor zu schieben und als das endlich gelungen war wurde er erneut fast ohnmächtig. Am Boden kauernd rang er einige Minuten mit der Erschöpfung bis er sich stark genug fühlte sich aufzurichten.
Im Mondlicht sah sein Gegner kaum weniger abscheulich aus als bei Tage und so vermied er es das Untier näher zu betrachten. Stattdessen schleppte er sich einige Meter weiter und ließ sich an einen Baum sinken. Erst jetzt, ohne die Last des toten Körpers und dem Gestank nach verwestem Tod begann sein Herz sich zu beruhigen.
Er erinnerte sich kaum an den Kampf, fast erschien es ihm als stemme sich sein Verstand gegen die Erinnerung. Und das wenige an das er sich erinnerte schien im so fern als läge es Jahre zurück.
Erschöpft lehnte er seinen Kopf zurück an den Baum an dem er saß und schlief ein.


Abschnitt 3
Doch sein Schlaf währte nur kurz, ein tiefer Schmerz ließ ihn wenig später erwachen. Es war wie ein brennen in seinen Eingeweiden, als stecke ein Dolch in seinem Magen.
Stöhnend erhob sich Dehorn, er war kurz davor sich vor Schmerz zu übergeben, ihm wurde Schwarz vor Augen doch irgendwie schaffte er es stehen zu bleiben.
„Nach Hause, ich muss nach Hause“, schrie seine innere Stimme.
Stolpernd und gekrümmt vom Schmerz lief er los. Aus einem seltsamen Grund kannte er den Weg ohne sich zu orientieren, ihm war als zöge ihn etwas schwer Greifbares an, etwas das weit älter und mächtiger war als jeder Mensch.
Raben folgten Dehorns Weg durch den Wald, seine Trophäe war ihm egal, sein Verlangen andere Menschen zu finden war so übermächtig das es schmerzte.
Er kämpfte sich immer weiter vor, rannte die ganze Nacht trotz seines Leides. Seine zitternden Hände bemerkte er nicht, ebenso wenig wie das Blut aus seinen Augen. Sein Geist war irgendwo zwischen Schmerz und Wahnsinn gefangen, seinen Namen hatte er längst vergessen und sein Geist kannte nur noch verlangen, verlangen nach Leben, nach Blut und nach Fleisch.
Da brach er durch ein letztes Gestrüpp vor den Feldern seiner Heimatstadt.
Hier würde er finden nach was es ihn verlangte, hier würde sein Durst enden, er wusste es…

Abschnitt 4
Heimat, solche Worte hatten jede Bedeutung für Dehorn verloren, er kannte nur den Hunger. Befallen von der Saat des Chaos, gebissen von einem Chaoseber war sein Körper im Begriff zu mutieren und in seinem Geist kaum mehr Reste seines alten Selbst vorhanden.
Es ist von jeher die Gesinnung der Chaosgötter die Menschen zu versklaven und Dehorn war jung und unbedarft gewesen. Sein Geist schwach und seine Seele nicht bereit für eine solche Prüfung an der selbst manch Imperialer Lord verzagt war.
So kam er zurück in das Dorf in dem er einst als Mensch geboren worden ward, ein Sohn der liebe und des Glücks zweier Menschen, weit ab von Krieg und Zerstörung.
Doch er brachte mit sich was diesen Menschen bisher erspart geblieben war. Sie sahen ihn kommen, seine alten Freunde und lieben. Sie sahen in ihm einen schwer verletzten Jungen und sie kamen ihm zu helfen.
Unnatürliche Kraft bebte in Dehorns Körper, bereit jederzeit auszubrechen, und sie tat es. Seine Eltern liefen ihm besorgt rufend entgegen, zwei kleine Jungen kamen mit ihnen, Jungen die einst zu ihm aufgesehen hatten.
Sie erreichten ihn, sprachen mit ihm, doch er verstand ihre Worte nicht. Eines verstand er jedoch, sie würden seinen Hunger stillen.

Die Schreie seiner Eltern rührten ihn nicht, einer der Jungen entkam seinen Händen und rief um Hilfe, es kümmerte ihn nicht. Seine Zähne rissen an frischem Fleisch, Knochen malmend gewann der neue Herr seines Körpers an Kraft bis irgend etwas geschah.
Irgendwo in Dehron gewann sein einstiges Ich wieder an stärke, rang mit dem finsteren Dieb seiner Seele. Dehorn warf sich zu Boden, seine Glieder zuckten unkontrolliert während in seinem Kopf Chaos und Menschlichkeit einen gnadenlosen Kampf fochten.
Plötzlich riss etwas seinen Körper vom Boden auf und glühende Hände brannte sich in sein Gesicht. Dehorn war blind und voller Schmerz, doch Schmerz war ein menschliches Gefühl und so klammerte er sich daran wie ein Ertrinkender an einen Holzbalken. Beschwörungen und Gebete durchströmten seinen Kopf.
Plötzlich konnte er wieder sehen, seine Sinne gehorchten ihm wieder. Dehorns Pein war ohne gleichen, doch er war wieder er selbst, fast.
Ein Mann stand ihm gegenüber und hielt seinen Kopf zwischen beiden Händen, sein Kopf war kahl geschoren und seine Augen drangen ihn Dehorn ein wie Stahlpfeile.
Schmerz, wallender unbeschreiblicher Schmerz ließ Todesangst in Dehorn aufsteigen und mir ihr wurde er wieder zu einem der Menschen. Da ließ der Priester ihn los und Dehorn schlug hart auf der Erde auf.
Der Priester jedoch griff nach seinem Hammer und hob diesen hoch in die Luft. Flammen schlugen aus seiner Waffe hervor als der Sigmarpriester sie auf Dehorns Brust niedergehen lies...

Noren

Gildenleiter

3

06.06.2010, 15:57

Abschnitt 5
Beide Monde standen hoch am Himmel als Dehorn erwachte. Sein Blick war verschwommen, keiner seiner Muskeln folgte seinen befehlen aber er war er selbst.
Er wollte etwas sagen, doch aus seinem Mund kam nur ein röcheln. Jemand saß neben ihm an einem Feuer. Es war der Priester.
"Du bist also wach, und du selbst wie ich sehe", seine Stimme klang rau.
Dehorn konnte nicht antworten, nur husten.
"Gut", sagte der Priester als hätte Dehorn ihm geantwortet. "Du hast den Biss einer Chaosbestie überlebt, du kannst mir und meinem Orden von nützen sein. Wenige standen dem Chaos je so nahe wie du und überlebten. Nun kommt es darauf an ob du willig bist deinen Glauben zu stärken und den Mächten des Chaos zu entsagen. Wenn ja wirst du dein Leben lang unserem Gott Sigmar dienen, wenn nicht werde ich dich töten! Du weißt was du getan hast?"
Schreckliche Bilder erschienen in diesem Moment vor Dehorns Augen. Blut, Tot, Verzweiflung, seine Eltern... Tränen traten in Dehorns Augen, noch immer war er unfähig sich zu bewegen.
"Um so besser", knirschte die Stimme des Priesters. "Du kannst nicht in dein Dorf zurück, dort würde man dich töten. Auch der Inquisition kannst du nicht entgegentreten, sie würden dich sofort töten erführen sie was geschah. Du wirst deine Vergangenheit ablegen, du wirst Sigmar und meinem Orden dienen. Dann sollst du einen neuen Namen erhalten und deine Schuld tilgen so dies überhaupt möglich ist. Bereue, bereue indem du die Anhänger des Chaos verfolgst und dem Imperium dienst, oder stirb."
Der Priester beugte sich über ihn und gab ihm eine schallende Ohrfeige. "Hast du gehört?"
Dehorn gelang es nicht zu sprechen, er nickte nur und selbst dies verlangte ihm alle Kraftreserven ab.
"Gut, deine erste Lektion ist dies", der Priester öffnete ein Buch. "Sprich mir nach", verlangte er und sprach die ersten Worte eines Gebets. Dehorn versuchte zu sprechen, er versuchte es mit aller Kraft doch es gelang ihm nicht. Eine weitere Ohrfeige war der Lohn.
"Noch einmal!"
Wieder kam nur ein krächzen aus Dehorns Hals. Dieses Mal schlug der Priester härter zu, so stark das Dehorn kurz schwarz vor Augen wurde.
"Noch einmal!"
Es dauerte Stunden bis Dehorn wieder zu sprechen vermochte und ihr Gebet dauerte bis weit in den nächsten Tag hinein, doch jedes Mal wenn Dehorn nicht schnell oder deutlich genug sprach ließ ihn der Priester dies spüren, wenn er einschlief rüttelte der Priester ihn wach.
Doch aus irgendeinem Grund wurde Dehorn dabei nicht schwächer, stattdessen nahm seine Kraft ständig zu.
Am Abend dieses ersten Tages brachen sie auf, der Priester zu Pferde und Dehorn zu Fuß.
"Wie ist dein Name", fragte der Priester irgendwann.
"Dehorn Herr", antwortete dieser. Da stoppte der Sigmarpriester sein Pferd und sah ihn durchdringend an. "Nein", sprach er mit erhobener Stimme. "Dies war dein Name, fortan ist dein Name Deheron und du wirst nie wieder deinen alten Namen erwähnen solange du lebst!" Dann ritt er weiter. Deheron beeilte sich dem Priester zu folgen.
"Wie ist euer Name", keuchte er als er nahe genug heran war und fing sich damit einen Schlag mit der Reitpeitsche ein, welcher einen blutenden Striemen in seinem Gesicht hinterließ.
"Meinen Namen werde ich dir nennen, wenn du es dir verdient hast", wurde er getadelt. "Sprich dein Gebet!"
Und Deheron tat wie ihm befohlen wurde, als er in der Mitte seines Gebetes angelangt war verschwand der Striemen den die Reitpeitsche verursacht hatte plötzlich.
Auch der Schmerz verschwand. Ungläubig tastete Deheron nach seinem Gesicht doch es war nichts zu spüren.
Der Sigmarpriester wandte sich von ihm ab und lächelte geheimnisvoll. So zogen die beiden davon während die Geschichte des Jungen Dehorn endete.
Doch ein neues Kapitel begann an jenem Tag, ein Kapitel über einen Mann der geboren wurde aus dem Tode eines Jungen.

Epilog
Der Tag an dem die Dämonen vor ihm flohen war kein Sieg,
er war vielmehr ein Ansporn.
In seinen Augen brennt das Licht der Rache,
in seinen Händen lodern die Flammen der Vergeltung,
Gerechter Zorn ist seine Bestimmung, sein Leben, seine Zukunft.
Und mag er auch fallen unter dem Ansturm des Bösen,
durch die Macht seines Gottes wird er auferstehen und sich erneut erheben
um gegen die Feinde des Imperiums zu kämpfen.
Sigmar ist sein Gott und in seinem Namen wird er selbst den Tod überwinden.

„Und wer vor dem Feind flieht der soll von mir erschlagen werden!“

*für die Schwingen*
© Deheron