Abschnitt 2
...da stürmte der Wahrgewordene Alptraum eines Ebers los. Dehorn hob seinen Bogen, plötzlich gab es keine Angst mehr, nur Schrecken und die Gewissheit dass er um sein Leben kämpfen musste. Sein erster Pfeil traf die Schnauze des Untiers, blieb darin stecken, zeigte aber sonst keinen Effekt. Unaufhaltsam stürmte der Eber ihm entgegen, riss das Maul weit auf so das Dehorn das verwesende Fleisch in seinem inneren erkennen konnte. Im letzten Augenblick warf er sich zur Seite und entging so dem tödlichen zusammenprall. Der Eber stürzte und schlug hart gegen einen großen Stein, erhob sich jedoch sofort wieder, die Nüstern blutig, die Augen allen natürlichen beraubt setzten scharten seine Hufe um erneut anzugreifen. Dehorns zweiter Pfeil fand sein da sein Ziel, das Auge des Wesens. Wütend heulte es auf, warf den Kopf hin und her während Blut aus der Wunde quoll.
Der dritte Pfeil lag auf Dehorns Sehne als die Realität plötzlich wie Wellen über seinem Verstand hereinbrach. Die lähmende Angst war zurückgekehrt und mit ihr war sein Kampfeswille gebrochen.
Der Bogen sank aus seinen zitternden Händen während der Eber ihn erneut angriff. Dehorn wandte sich zur Flucht, rannte blindlings ins Dickicht er wollte nur noch eines, dem Wesen entkommen und zurück zu seiner Familie.
Seine Flucht währte jedoch nur kurz, ein stechender Schmerz in Beinen und Rücken, dann schlug er auf dem Waldboden auf. Blätter und Erde drängten sich in seinen Mund, das wahnsinnige keifen des Ebers über ihm, dessen stinkender Atem und das Bewusstsein dem Tode näher zu sein als dem Leben ließen den Wahnsinn in ihm aufsteigen.
Wie in Trance sah er sich selbst nach seinem Schwert greifen und es dem Eber in die Kehle rammen.
Dann brach das Untier über ihm zusammen und begrub Dehorn unter seinem massigen Körper.
Es war Nacht geworden als er wieder erwachte. Der Mond stand hoch am Himmel und die Sterne leuchteten hell. Jeder Muskel in Dehorns Körper schmerzte und sein Herz jagte. Über ihm lag noch immer der stinkende Leichnam des Ebers. Nur mit größter Mühe gelang es ihm sich langsam unter ihm hervor zu schieben und als das endlich gelungen war wurde er erneut fast ohnmächtig. Am Boden kauernd rang er einige Minuten mit der Erschöpfung bis er sich stark genug fühlte sich aufzurichten.
Im Mondlicht sah sein Gegner kaum weniger abscheulich aus als bei Tage und so vermied er es das Untier näher zu betrachten. Stattdessen schleppte er sich einige Meter weiter und ließ sich an einen Baum sinken. Erst jetzt, ohne die Last des toten Körpers und dem Gestank nach verwestem Tod begann sein Herz sich zu beruhigen.
Er erinnerte sich kaum an den Kampf, fast erschien es ihm als stemme sich sein Verstand gegen die Erinnerung. Und das wenige an das er sich erinnerte schien im so fern als läge es Jahre zurück.
Erschöpft lehnte er seinen Kopf zurück an den Baum an dem er saß und schlief ein.
Abschnitt 3
Doch sein Schlaf währte nur kurz, ein tiefer Schmerz ließ ihn wenig später erwachen. Es war wie ein brennen in seinen Eingeweiden, als stecke ein Dolch in seinem Magen.
Stöhnend erhob sich Dehorn, er war kurz davor sich vor Schmerz zu übergeben, ihm wurde Schwarz vor Augen doch irgendwie schaffte er es stehen zu bleiben.
„Nach Hause, ich muss nach Hause“, schrie seine innere Stimme.
Stolpernd und gekrümmt vom Schmerz lief er los. Aus einem seltsamen Grund kannte er den Weg ohne sich zu orientieren, ihm war als zöge ihn etwas schwer Greifbares an, etwas das weit älter und mächtiger war als jeder Mensch.
Raben folgten Dehorns Weg durch den Wald, seine Trophäe war ihm egal, sein Verlangen andere Menschen zu finden war so übermächtig das es schmerzte.
Er kämpfte sich immer weiter vor, rannte die ganze Nacht trotz seines Leides. Seine zitternden Hände bemerkte er nicht, ebenso wenig wie das Blut aus seinen Augen. Sein Geist war irgendwo zwischen Schmerz und Wahnsinn gefangen, seinen Namen hatte er längst vergessen und sein Geist kannte nur noch verlangen, verlangen nach Leben, nach Blut und nach Fleisch.
Da brach er durch ein letztes Gestrüpp vor den Feldern seiner Heimatstadt.
Hier würde er finden nach was es ihn verlangte, hier würde sein Durst enden, er wusste es…
Abschnitt 4
Heimat, solche Worte hatten jede Bedeutung für Dehorn verloren, er kannte nur den Hunger. Befallen von der Saat des Chaos, gebissen von einem Chaoseber war sein Körper im Begriff zu mutieren und in seinem Geist kaum mehr Reste seines alten Selbst vorhanden.
Es ist von jeher die Gesinnung der Chaosgötter die Menschen zu versklaven und Dehorn war jung und unbedarft gewesen. Sein Geist schwach und seine Seele nicht bereit für eine solche Prüfung an der selbst manch Imperialer Lord verzagt war.
So kam er zurück in das Dorf in dem er einst als Mensch geboren worden ward, ein Sohn der liebe und des Glücks zweier Menschen, weit ab von Krieg und Zerstörung.
Doch er brachte mit sich was diesen Menschen bisher erspart geblieben war. Sie sahen ihn kommen, seine alten Freunde und lieben. Sie sahen in ihm einen schwer verletzten Jungen und sie kamen ihm zu helfen.
Unnatürliche Kraft bebte in Dehorns Körper, bereit jederzeit auszubrechen, und sie tat es. Seine Eltern liefen ihm besorgt rufend entgegen, zwei kleine Jungen kamen mit ihnen, Jungen die einst zu ihm aufgesehen hatten.
Sie erreichten ihn, sprachen mit ihm, doch er verstand ihre Worte nicht. Eines verstand er jedoch, sie würden seinen Hunger stillen.
Die Schreie seiner Eltern rührten ihn nicht, einer der Jungen entkam seinen Händen und rief um Hilfe, es kümmerte ihn nicht. Seine Zähne rissen an frischem Fleisch, Knochen malmend gewann der neue Herr seines Körpers an Kraft bis irgend etwas geschah.
Irgendwo in Dehron gewann sein einstiges Ich wieder an stärke, rang mit dem finsteren Dieb seiner Seele. Dehorn warf sich zu Boden, seine Glieder zuckten unkontrolliert während in seinem Kopf Chaos und Menschlichkeit einen gnadenlosen Kampf fochten.
Plötzlich riss etwas seinen Körper vom Boden auf und glühende Hände brannte sich in sein Gesicht. Dehorn war blind und voller Schmerz, doch Schmerz war ein menschliches Gefühl und so klammerte er sich daran wie ein Ertrinkender an einen Holzbalken. Beschwörungen und Gebete durchströmten seinen Kopf.
Plötzlich konnte er wieder sehen, seine Sinne gehorchten ihm wieder. Dehorns Pein war ohne gleichen, doch er war wieder er selbst, fast.
Ein Mann stand ihm gegenüber und hielt seinen Kopf zwischen beiden Händen, sein Kopf war kahl geschoren und seine Augen drangen ihn Dehorn ein wie Stahlpfeile.
Schmerz, wallender unbeschreiblicher Schmerz ließ Todesangst in Dehorn aufsteigen und mir ihr wurde er wieder zu einem der Menschen. Da ließ der Priester ihn los und Dehorn schlug hart auf der Erde auf.
Der Priester jedoch griff nach seinem Hammer und hob diesen hoch in die Luft. Flammen schlugen aus seiner Waffe hervor als der Sigmarpriester sie auf Dehorns Brust niedergehen lies...